Tod und Teufel in Schweinfurt

812
Erasmus Schröter: Contest 54, 2017, Privatsammlung © Nachlassverwaltung A. Schröter. Foto: Erasmus Schröter

Museum Georg Schäfer zeigt die Faszination des Horror
von Ulf Dingerdissen

Nach ihren großen Erfolgen in Düsseldorf und Darmstadt ist ab dem 14. Juli 2024 die Ausstellung Tod und Teufel. Faszination des Horrors endlich auch in Schweinfurt zu sehen. Von der Kunsthistorikerin Westrey Page entwickelt und in Kooperation mit dem Düsseldorfer Kunstpalast, dem Hessischen Landesmuseum Darmstadt sowie dem Museum Georg Schäfer umgesetzt, bereitet die groß angelegte Schau ein Thema auf, das weltweit eine bedeutende Rolle in der Geschichte sowohl der Kulturen als auch der Kunst spielt: die Faszination des Horrors. Stellvertretend stehen hierfür die beiden Figuren Tod und Teufel, die wie keine anderen von jeher die Phantasie der Menschheit angeregt und neben Angst und Schrecken zugleich auch eine besondere Attraktion ausgeübt haben.

Friedrich Wilhelm von Schadow und Schüler: Hölle, 1848-1852, Kunstpalast, Düsseldorf © Kunstpalast Düsseldorf. Foto: Horst Kolberg

Erstmals geht mit Tod und Teufel eine epochen- und spartenübergreifende Ausstellung dieser ungebrochenen Anziehungskraft nach: Sie bewertet das oft als seicht verurteilte Genre des Horrors neu, indem sie seine historischen Ursprünge ebenso aufdeckt wie den zeitgenössischen Einsatz seiner Symbole in Mode, Musik, Film und bildender Kunst und seine eigentümliche Ästhetik erklärt. Zeitlich und medial wird ein weiter Bogen gespannt: Das Spektrum der gut 120 ausgestellten Werke reicht von Grafiken des Spätmittelalters und der Renaissance über Gemälde der Schwarzen Romantik bis hin zu Modeaccessoires, Fotografien, Videos, Skulpturen und Installationen der Gegenwart. Produkte der Hochkultur werden Objekten der Alltags- oder sogenannten Subkulturen gegenübergestellt.

Alexander McQueen: Clutch Skull Knuckle Duster, 2010, Sammlung Roos van Put
© Roos van Put. Foto: Ros van Put

„Goth- und Metal-Szene haben die Ästhetik des Horrors nachhaltig geprägt. Ihre Protagonisten selbst lassen sich oft von der Kunst- und Kulturgeschichte inspirieren – etwa von viktorianischer Trauerkleidung oder von mittelalterlichen Burgen und Dämonen. Mit Elementen dieser Subkulturen und Anspielungen auf den Kanon der Horrorbilder tragen Modedesigner*innen wie Rick Owens, Gareth Pugh, Rei Kawakubo und Thom Browne zur Düsternis der High Fashion bei. Die Musikgenres der schwarzen Szene haben sich auf globaler Ebene weiterentwickelt und neue politische Kontexte und Einflüsse integriert. Auch im Horrorfilm ist die Auflösung der Grenzen spürbar – in Bezug auf Genres ebenso, wie hinsichtlich der Frage, wo die wahre Quelle des Horrors liegt und wer eigentlich gut und wer böse ist”, so Kuratorin Westrey Page.

Die Ausstellung vereint Exponate aus Mode, Kunst, Musik und Film. Gemeinsam präsentiert werden Arbeiten von Albrecht Dürer, Wilhelm von Schadow, Carl Belchen, Rei Kawakubo, den Chapman Brothers, Lady Gaga, Lars von Trier, Berlinde de Bruyckere, Mary Sibande und vielen anderen. Death Metal und die blutgefüllten Turnschuhe von MSCHF treffen auf Beiträge von Andres Serrano, Eliza Douglas oder Arnold Böcklin – Ergebnisse künstlerischer Phantasie, die bewegen und die Phantasie erneut anregen!