„Atuk – sie und wir”, Roman von Michel Jean – Buchvorstellung

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In Michel Jeans neuem Roman Atuk erzählt seine Großmutter Jeannette ihre Geschichte. Sie war neben seiner Urgroßmutter Almandra, seiner Kukum, die zweite starke Frau der Familie Siméon, deren ursprünglicher Name Atuk lautete.
Durch ihre Heirat mit einem Mischling, der als Weißer gilt, verliert sie nach dem Indianergesetz ihren Status als Indianerin, muss das Reservat verlassen und in die Stadt ziehen, wo sie elf Kinder großzieht. Aufgrund dieser Situation wächst auch Michel Jean in der Stadt auf, außerhalb der Innu-Gemeinschaft.

In einem zweiten Strang erzählt Michel Jean, wie er seine Familie und seine Kultur entdeckt und sich nach und nach seiner Identität als Innu bewusst wird, ein schwieriger Prozess, durch den er auch immer wieder rassistischen Anfeindungen ausgesetzt wird.
Indem er über seine Familie schreibt, lernt er die Geschichte seines Volkes kennen, dessen Sprache er nie lernen durfte. Und er schreibt auch über Leben und Schicksal der Ureinwohner, die bislang in den Geschichtsbüchern so gut wie nicht vorkommen.

Autor Michel Jean. Foto: julienfaugere.com

Bereits im Wieser Verlag erschienen: Kukum – Anhand des Schicksals seiner Urgroßmutter, einer starken, freiheitsliebenden Frau, beschreibt Michel Jean das Ende der traditionellen Lebensweise der Nomadenvölker im Nordosten Amerikas, deren Umwelt zerstört wurde und die zur Sesshaftigkeit gezwungen und in Reservate gesperrt wurden, ohne Zukunftsperspektive, ein Leben geprägt von Gewalt, Alkohol und Drogenkonsum.

Michel Jean, geboren 1960, ist Innu aus der Gemeinde Mashteuiatsh am Lac Saint-Jean (Québec). Nach einem Studium der Geschichte und Soziologie arbeitet er seit 1988 als Journalist und Moderator für die französischkanadischen Fernsehsender Radio Canada Info und, seit 2005, TVA Nouvelles. Er ist mit acht Romanen und zwei Anthologien mit Erzählungen indigener Autorinnen und Autoren aus Québec einer der wichtigsten Autoren Québecs.
Sein Roman Kukum verkaufte sich weit über 100.000 Mal in Kanada und wurde im Herbst 2020 mit dem renommierten Prix littéraire France-Québec und im Herbst 2021 mit dem erstmals verliehenen Prix littéraire Nature Nomade ausgezeichnet. Foto: julienfaugere.com

Michael von Killisch-Horn wurde 1954 in Bremen geboren. Seit dem Studium der Romanistik, Germanistik und Deutsch als Fremdsprache in München arbeitet er als Übersetzer aus dem Französischen und Italienischen. Seit einem dreimonatigen Aufenthaltsstipendium 2013 in Montréal interessiert er sich auch verstärkt für die Literatur Québecs und verbringt jedes Jahr mehrere Wochen in Montréal.

„Manchmal bietet das Leben Chancen, die ebenso
unwahrscheinlich wie wunderbar sind.“

Atuk – sie und wir / ca. 220 Seiten / gebunden / Lesebändchen / ISBN: 978-3-99029-500-7 / € 21,00 / ET März 2022 / Atuk – sie und wir / ca. 220 Seiten / gebunden / Lesebändchen / ISBN: 978-3-99029-500-7 / € 21,00 / ET März 2022 / www.wieser-verlag.com