50 Jahre amnesty international Schweinfurt

736
Die Schweinfurter ai-Gruppe trifft sich jeden dritten Donnerstag im Monat um 19.30 Uhr im KulturPackt-Büro in der Burggasse 2 in Schweinfurt. Interessenten sind immer willkommen und neue Aktivisten als Gruppenmitglieder ganz besonders.

Kim Chi Ha war der erste gewaltlose politische Gefangene, den die Schweinfurter Gruppe der internationalen Menschenrechtsorganisation amnesty international (ai) betreut hat (bei ai wird das als „Adoption” bezeichnet).

Peter Benenson, ein Londoner Rechtsanwalt, hatte 1961 amnesty als  Organisation ins Leben gerufen als Reaktion auf die zunehmend willkürlichen Verhaftungen in Portugal durch die dortige Salazar-Diktatur.

Noch im gleichen Jahr wurde eine deutsche ai-Sektion gegründet von den Journalisten Gerd Ruge, Carola Stern und Felix Rexhausen. Und 1972 folgte dann die Gründung einer ai-Gruppe in Schweinfurt durch den damaligen Direktor am Celtis-Gymnasium Fritz Zahn.

Damals wie heute braucht der Einsatz gegen Menschenrechtsverletzungen eine starke Überzeugung und viel Ausdauer. So haben die ehrenamtlichen Mitglieder der Schweinfurter ai-Gruppe mit zahlreichen Aktionen über acht Jahre für Kim Chi Ha bis zu seiner Freilassung 1980 gekämpft. Kim Chi Ha hatte schon als Student mit seinen Mitteln – Gedichte und literarische Berichte – für Demokratie und Meinungsfreiheit gegen die Repressionen der Diktatur in Süd-Korea unter Präsident Park gekämpft. Er wurde deswegen seit den 1960er Jahren immer wieder verhaftet.

Seither hat die ai-Gruppe weitere 18 gewaltlose politische Gefangene aus unterschiedlichen Ländern betreut. Etliche wurden vorzeitig aus der Haft entlassen. Es geht aber auch darum den – häufig unter schlimmsten Bedingungen – Inhaftierten die Botschaft zu übermitteln, dass sie nicht vergessen sind.

Aktuell setzt sich die Gruppe für die Freilassung von Esmai Abdi, einem in Iran im berüchtigten Evin-Gefängnis inhaftierten Gewerkschafters ein.

Grundlage und Richtschnur für das Handeln der ai-Akteure ist die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 und die daraus abgeleiteten Normen und Gesetze auf globaler und lokaler Ebene.

Daraus resultieren auch die weltweiten Kampagnen von ai zum absoluten Folterverbot und der Abschaffung der Todesstrafe. Mit Erfolg: als ai 1977 die erste globale Kampagne zur Abschaffung der Todesstrafe startete, hatten 16 Länder sie abgeschafft; heute wird sie in 144 Ländern nicht mehr angewendet.

Gemäß dem Motto der Schweinfurter ai-Gruppe „Hinsehen und Handeln” informiert sie mehrmals im Jahr mit Aktions-Ständen in der Innenstadt über aktuelle Menschenrechts-verletzungen. Und Handeln kann dann jeder mit einer Unterschrift auf einer Petitionsliste an die verantwortlichen Regierungen oder mit der Unterschrift unter einen Brief seinem Protest gegen Menschenrechtsverletzung Ausdruck geben.

Nach dem Leitspruch „Unsere Waffe ist der Stift” verfassen die Gruppenmitglieder monatlich einen Brief zugunsten eines politischen Gefangenen und verteilen ihn über ein Multiplikatoren-Netzwerk, sodass 100 und mehr Protest-Briefe allein aus Schweinfurt auf dem Schreibtisch der Täter landen – bei weltweiten ai-Kampagnen können das auch mal 30.000 Briefe innerhalb weniger Tage sein.

Der Erfolg der Menschenrechtsarbeit auch der Schweinfurter ai-Gruppe hängt ganz wesentlich von der ideellen (und auch finanziellen) Unterstützung durch die Menschen in Schweinfurt und Umgebung ab – und die war und ist absolut großartig.

Dafür dankt die ai-Gruppe verbunden mit der Hoffnung auf Unterstützung auch in Zukunft. Diese ist mehr denn je von Nöten angesichts einer sich weltweit abzeichnenden Abkehr von dem Gedanken der universellen Geltung der Menschenrechte, einer offenen Gesellschaft und von weltweit respektierten Rechtsprinzipien. Putin hat mit „Memorial” die letzte verbliebene Menschenrechts-Organisation in Russland liquidiert, Bush hat den Einsatz der Folter im „Kampf gegen das Böse” legitimiert und Boris Johnson lässt Asylsuchende aus seinem Land in ein von ihm finanziertes Internierungslager nach Ruanda verbringen.

Die Schweinfurter ai-Gruppe trifft sich jeden dritten Donnerstag im Monat um 19.30 Uhr im KulturPackt-Büro in der Burggasse 2 in Schweinfurt. Interessenten sind immer willkommen und neue Aktivisten als Gruppenmitglieder ganz besonders.