Unsicherheit und Unbeschwertheit im dänischen Exil

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© Fotografie Bokelmann

Tanja Jeschkes Roman „Svendborg 1937” beschreibt einfühlsam die vielen Herausforderungen einer jüdischen Familie, die sich im Exil ein neues Leben aufbauen will.
Kein einfaches Unterfangen stellt sich bald heraus, wie aus Sicht der 17-jährigen Tochter Meret erzählt wird. Denn ausgerechnet nach Svendborg auf der dänischen Insel Fünen flüchtet die Familie Dinkelspiel vor den Nazis. Ein verschlafenes Hafenstädtchen, in dem eine angeheiratete Tante ihnen Unterkunft gibt. Die ist freilich nicht so ganz glücklich über die Gäste, die sich ihrerseits im komplett veränderten Alltag zurechtfinden müssen.
An diesem entschleunigten Ort entdecken die Schwestern Meret und Ricarda das Motorradfahren für sich und lernen die ungewöhnliche Hausgemeinschaft Bertolt Brechts kennen, der sich hier ebenfalls ab 1933 aufhielt. Für beide Mädchen sind Brechts Frauen richtungsweisend, und als Ricarda beschließt, auf eigene Faust nach Deutschland zu ihrem Verlobten zurückzukehren, ändert sich nicht nur für Meret alles…
„Svendborg 1937“ erzählt von den immer wieder aktuell werdenden Themen Flucht, Fremde und dem Versuch anzukommen. Ein Roman voller Zwischentöne und Nuancen, der gekonnt zwischen Schwere und Leichtigkeit changiert.

Tanja Jeschke wurde in Pretoria geboren, wuchs zunächst dort und in Port Elizabeth am Indischen Ozean auf und verbrachte ihre Schulzeit in Norddeutschland. Sie studierte Ger-manistik und Evangelische Theologie und reiste eine Weile durch Südafrika und Namibia. Schließlich arbeitete sie als freie Autorin, Literaturkritikerin und Lektorin in Rostock und Stuttgart. Sie hat etliche Kinderbücher und auch Bücher für Erwachsene veröffentlicht und erhielt zahlreiche Stipendien und Auszeichnungen.

„Svendborg 1937”, Tanja Jeschkeeller, Picus Verlag, ET: 08/2022, € 24,00 – ISBN 978-3-7117-2128-0