Buchvorstellung „Wo ist mein Platz im Leben”

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Antonia Speerforck. Foto: Ramona Czygan

Den eigenen Weg finden – ohne danach zu suchen.
Ein Buch über große Gefühle und kleine Schritte.
Übers Ankommen und unterwegs Bleiben.
Und über den Mut, alle unsere Anteile mit auf die Reise zu nehmen.

Viele Menschen sind auf der Suche. Doch all die Möglichkeiten heute machen es nicht einfacher, Vertrauen in das eigene Leben und sich selbst zu haben, sich Ziele zu setzen oder gar anzukommen. Ständiger Wandel, Krisen und Unsicherheit tun ihr Übriges. „Folge deiner inneren Stimme!“, heißt es – aber welcher? Hat mein innerer Freigeist recht, meine Angst oder soll ich doch lieber dem Rat meiner Eltern folgen? In „Wo ist mein Platz im Leben?“ (ab 27. September 2023 im Kailash Verlag) lädt die Systemische Psychotherapeutin Antonia Speerforck dazu ein, sich neugierig und nachsichtig mit seinen inneren Anteilen zu befassen und mit Zuversicht auf das eigene Leben zu blicken. Nahbar und fundiert zeigt sie, dass wir unter all den Stimmen im Innen und Außen dennoch Klarheit finden, stimmige Entscheidungen treffen und unseren Weg gehen können. Ein Buch über große Gefühle und kleine Schritte. Übers Ankommen und unterwegs Bleiben. Und über den Mut, alle unsere Anteile mit auf die Reise zu nehmen.

Was soll bloß aus mir werden? Unsere Welt ist ein Jahrmarkt der Möglichkeiten, doch statt flirrender Vorfreude erleben wir oft nur: Unsicherheit. Und Unzufriedenheit, vor allem mit uns selbst. Weil wir den Anruf nicht gemacht, eine Entscheidung immer noch nicht getroffen, den Sprung nicht endlich geschafft haben. Oder nicht mal wissen, was wir überhaupt können oder wollen. Dabei haben die anderen ihr Leben doch auch im Griff, oder? Alle scheinen zu wissen, wo sie hinwollen, nur wir hadern und zaudern. Ist das wirklich so? Nein, weiß Antonia Speerforck – aus eigener Erfahrung und aus ihrem Arbeitsalltag als systemische Psychotherapeutin.

In ihrem Buch hilft sie partnerschaftlich, humorvoll und mit konkreten Anregungen, die inneren Stimmen zu identifizieren und so kennenzulernen, was uns bremst und was uns antreibt: unsere Bedürfnisse, Fähigkeiten, Gefühle – und oft auch unsere Familien.
Das Ziel ist nicht Selbstoptimierung, sondern die Erkenntnis: „Du bist okay. Mit all deinen Facetten.“
Alle unsere inneren Anteile wollen uns Gutes, sei es der Skeptiker, der Ernst (des Lebens), der mit der Stimme der Vernunft spricht, die Seiten von uns, die keifen und zetern, und die, die sich klein und verzagt fühlen, genau wie die, die überhaupt nichts verändern wollen. Es ist eine Einladung, ihren Botschaften zuzuhören, statt sie loswerden zu wollen – selbst, wenn sie uns manchmal gefühlt vollkommen im Weg stehen. Wir haben alles, was wir brauchen, um einen Weg zu finden, der uns entspricht. Auch wenn er nicht geradeaus, sondern manchmal ganz schön kurvenreicht verläuft. So sehr wir uns wünschen, an- und zur Ruhe zu kommen: Unser Platz im Leben ist etwas Bewegliches.

Das Buch ist ein Plädoyer für einen liebevollen Umgang mit sich selbst in einer komplizierten Welt, „denn wir können niemanden an einen guten Platz jagen oder schimpfen oder ziehen, auch nicht uns selbst. Aber wir können uns Halt geben, uns selbst Gefährten sein, egal, auf welche Insel uns unsere Geschichte verschlägt“, weiß Speerforck.

Gleichzeitig bietet „Wo ist mein Platz im Leben?“ Werkzeuge, um unsere Seiten besser kennenzulernen, uns stimmige Ziele setzen und gute Entscheidungen treffen können.
Wem soll ich folgen: der Chaotin, dem Sicherheitsfanatiker oder der Idealistin in mir? Wer hat Recht: mein innerer Freigeist, meine Angst oder doch meine Eltern? Dazu der Druck von außen, sein wahres Ich oder wenigstens seine Berufung zu finden. So viele Möglichkeiten, so viele Stimmen! Und die anderen sind doch auch schon da, oder?
Die Psychotherapeutin Antonia Speerforck kennt diese Zweifel und Unsicherheiten aus ihrer Praxis und ihrem Leben. Mit Hilfe der Systemischen Idee der Persönlichkeitsanteile zeigt sie, dass wir widersprüchliche Wesen sind und doch Klarheit finden, stimmige Entscheidungen treffen und unseren Weg gehen können – einen Fuß vor den anderen, unsere Bedürfnisse im Blick und unsere Fähigkeiten im Gepäck.

Antonia Speerforck, geboren 1986, ist Psychologin, Juristin, Mutter, Tochter, Ehefrau und noch ein paar Dinge mehr. Nach dem Abitur begann sie zunächst BWL zu studieren; nach dem Vordiplom schloss sie ein Jura- und schließlich ein Psychologiestudium an.
Mit dem Suchen kennt sie sich aus. Heute arbeitet sie als eine der ersten approbierten Systemischen Psychologischen Psychotherapeutinnen in eigener Praxis. Außerdem berät sie Einzelpersonen, Paare und Familien und ist in der Therapieausbildung aktiv. Sie lebt mit ihrer Familie in Leipzig.

Antonia Speerforck, „Wo ist mein Platz im Leben? – Den eigenen Weg finden ohne danach zu suchen“, Paperback Klappenbroschur, ISBN: 978-3-424-63251-4, erscheint am 27. September 2023, als eBook bereits am 01. September 2023.

Gespräch mit Antonia Speerforck zum Buch

Liebe Antonia, würdest du sagen, Du selbst hast du deinen
Platz im Leben schon gefunden?

Oh ja, sehr, zumindest für den Moment. Aber der eigene Platz ist etwas sehr Bewegliches, denke ich. So sehr ich den Wunsch verstehe, funktioniert es ja selten so, dass man den Platz findet, sich niederlässt und dann alles läuft. Angekommen bin ich sicher noch nicht.

„Hör auf deinen Bauch“ oder „Folge deiner inneren Stimme“ – das sind Ratschläge, die jeder schonmal gehört hat, der vor einer Entscheidung stand. Gibt es denn überhaupt die eine Stimme?
Nee! Das weiß jeder, der schon mal einen inneren Konflikt hatte, zum Beispiel darüber, was er anziehen, essen oder mit seinem Leben anfangen soll. Da gibt es immer viele Stimmen in uns, die uns mit rationalen Argumenten oder wilden Gefühlen in die eine oder andere Richtung ziehen wollen: Zieh Dich mal ein bisschen aufregender an! Nein, geh lieber auf Nummer sicher! Oder: Folge Deiner Leidenschaft für Kunst! Das wird gleich gekontert von: Quatsch, davon kannst Du eh nicht leben! Das ist oft anstrengend, aber es gehört zum Leben dazu, dass es nur selten eine eindeutige Stimme in uns gibt. Manchmal hören wir aber auch eine ganz besonders laut in uns, die so tut, als wüsste sie alles eh am besten. Ob das die eine Stimme ist? Ich bezweifle es. Das ist aber auch vollkommen in Ordnung. Wir brauchen diesen bunten Chor in uns.

Warum profitiert jeder davon, sich mit seinen inneren Anteilen zu befassen?
Ich finde immer wieder, dass es eine spannende und spielerische Methode ist, um die eigene Vielfalt kennenzulernen und auch annehmen zu können. Wir alle haben ganz verschiedene Seiten, die in unterschiedlichen Situationen zum Vorschein kommen. Oft gibt es bestimmte Anteile, die wir gut kennen oder auch besonders mögen, nette Kumpels oder strebsame Bienchen zum Beispiel. Aber wir alle haben eben viel, viel mehr Seiten und sind so viel mehr, als wir glauben. Da genau hinzuschauen, mit einem neugierigen Blick auch auf die, die wir nicht so zeigenswert finden und am liebsten aussortieren würden – zweifelnde Häslein, feuerspeiende Drachen oder andere kleine Trolle in uns – hilft zu erkennen, dass auch sie nur für uns da sein wollen und oft sogar eine Menge drauf haben. Auf dem eigenen Weg ist es hilfreich, mal genau zu schauen, wer eigentlich zur inneren Reisegruppe gehört und auch mitgenommen werden sollte.

Was brauchen wir, um zu innerer Klarheit im Anbetracht all der Möglichkeiten, die das moderne Leben bietet, finden zu können?
Ja, die können einen wirklich umhauen! Und darin den eigenen Weg finden zu wollen, ist wie eine Stecknadel im Heuhaufen zu suchen. Es ist klar, dass man sich da schnell klein und auch überfordert fühlt. Vor allem, wenn man den Eindruck hat, dass alle anderen schon wissen, was sie wollen und können.
Auch wenn es erstmal nicht nach mehr Klarheit klingt, ist ein sinnvoller Ansatz in meinen Augen, die eigene Vielstimmigkeit zuzulassen: Was genau treibt mich an, was genau hält mich davon ab, etwas zu wagen? Und warum haben vielleicht auch diese Stimmen ihre Berechtigung? Das kann helfen, unter all den Angeboten aus dem Außen das zu finden, das einem tatsächlich entspricht. Und nicht nur einem Bild, das wir gern von uns hätten oder das andere von uns haben.
Ach ja, und was viele sicher auch gut gebrauchen können, ist sich genau das zu erlauben: Dass es viel ist, dass es kompliziert und manchmal auch schwer ist, seinen Platz zu finden – statt sich dafür runterzumachen, dass man es immer noch nicht geschafft hat. Und kleine Schritte machen zu dürfen, immer wieder neu in Kontakt mit sich zu treten. Ich bin sicher, dass es ganz viele Wege geben darf, dass man Abzweigungen und Umwege nicht nur gehen darf, sondern auch sollte.

Lernst du selbst auch immer noch neue Anteile in dir kennen? Oder ist so ein inneres Team irgendwann mal komplett?
Ich habe in den letzten Monaten nochmal ganz viel Neues über mich erfahren! Zum Beispiel habe ich eine Erzählerin in mir entdeckt, die mich wirklich überrascht hat. Sie war ziemlich vergraben unter einem Berg von Selbstzweifeln. Dabei begleitet sich mich wahrscheinlich schon ganz lange. Und sie ist ein gutes Gegengewicht zu anderen Anteilen in mir, den gewissenhaften und Präzision liebenden, aber manchmal etwas engstirnigen zum Beispiel.
Ich glaube aber, das Ziel sollte gar nicht sein, irgendwann alles über sich verstanden zu haben – auch weil das gar nicht geht, zum Glück. So ein Team ist wahrscheinlich nie komplett, aber ausreichend komplett, das geht sicher.

Mit welchem Anteil hast du am längsten gebraucht, um dich anzufreunden?
Oh, knifflige Frage. Ich habe verschiedene Anteile, mit denen ich lange im Clinch lag. Einer ist ein kleines, pummeliges Wesen in mir, das sich in erster Linie „seltsam“ findet. Ein anderes ist Keifey-Wifey, eine ganz schöne Zicke, leider (frag meinen Mann!). Mittlerweile kann ich sie beide gut annehmen, weil ich weiß, was sie für mich tun und was sie brauchen, um sich nicht zurückziehen oder loszicken zu müssen. Und ich kann nun über sie schreiben, was für ein Geschenk!

Wir danken dem Verlag für die Überlassung des Interviews!