Dietrich Klinge „Corespondentia assonare” in der Kunsthalle

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Ausstellungen
Alle Ausstellungsansichten, Foto: Martin Frischauf, Schwabenrepro GmbH, Stuttgart

Über Zeit und Raum hinweg: Begegnungen mit dem Fremden
bis 30. Juni 2026 in der Kunsthalle Schweinfurt, Westflügel und Galerie im Quadrat

Die Ausstellung „Dietrich Klinge. Corespondentia assonare. Über Zeit und Raum hinweg: Begegnungen mit dem Fremden“ ist derzeit in der Kunsthalle Schweinfurt zu sehen. Präsentiert werden Werke von Dietrich Klinge in einem epochen- und kulturübergreifenden Dialog mit historischen Artefakten und zeitgenössischen Positionen aus seiner eigenen, umfangreichen Sammlung. Entstanden ist die Ausstellung in Zusammenarbeit mit der Bode Galerie (Nürnberg/Frankfurt/Daegu).

Die Fragen stellte Dr. Julia Weimar, Kunsthalle Schweinfurt

 

  1. Liebe Frau Bode, gemeinsam mit Ihrem Vater Klaus D. Bode betreiben Sie die Galerie. Was sind Ihre Aufgaben?

Mein Vater hat die Galerie vor 41 Jahren in Nürnberg gegründet und ihr Profil über Jahrzehnte geprägt. Vor rund 20 Jahren haben wir unser Engagement nach Korea ausgeweitet – ein Schritt, der bis heute ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit ist und in diesem Jahr ein Jubiläum markiert.

Seit vier Jahren betreue ich außerdem unseren Kunstsalon in Frankfurt. Dieser versteht sich nicht nur als klassischer Galerieraum, sondern als lebendige Plattform für Künstlerinnen und Künstler sowie ein kunstinteressiertes Publikum. Neben Ausstellungen geht es dort vor allem um Austausch und Begegnung.

Ein zentraler Aspekt unserer Arbeit ist die Vermittlung – zwischen Künstler und Galerie, zwischen Werk und Betrachter, aber auch zwischen unterschiedlichen kulturellen Räumen. Gerade der Dialog zwischen Europa und Korea spielt dabei eine wichtige Rolle.

 

  1. Die Liste jener Künstler, die Sie in Ihrer Galerie vertreten, liest sich wie ein „Who’s who“ der zeitgenössischen Kunst. Auch Dietrich Klinge gehört dazu. Wie kam es zum Kontakt?

Der erste Kontakt zu Dietrich Klinge hat tatsächlich seinen Ursprung rund 9.000 Kilometer entfernt – in Seoul. Mein Vater sah dort 2006 auf der Kunstmesse KIAF eine One-Man-Show des Bildhauers und war sofort beeindruckt.

Zu einer Zusammenarbeit kam es allerdings erst einige Jahre später. 2012 feierte Nürnberg ein großes Dürer-Jubiläum, und wir luden unsere Künstler ein, sich im Rahmen einer Ausstellung mit Dürers Werk auseinanderzusetzen. In diesem Zusammenhang erhielten wir den Hinweis auf Dietrich Klinge. Besonders interessant erschien uns sein intensives Studium der menschlichen Körperproportionen. Diese Forschungen knüpfen an eine lange kunsthistorische Tradition an – etwa an Leonardo da Vinci, aber auch an Albrecht Dürer, der sich ebenfalls intensiv mit Proportionslehren beschäftigte, jedoch an deren endgültiger Systematisierung scheiterte.

Aus diesem inhaltlichen Bezug heraus entstand der erste Kontakt und schließlich auch eine Ausstellung in unseren Nürnberger Räumen.

 

  1. Dietrich Klinge lebt und arbeitet in Weidelbach/Mittelfranken. Dort hat er ein außergewöhnliches Kunstareal geschaffen. Erzählen Sie uns doch bitte einmal davon.

Dietrich Klinge lebt mit seiner Frau Christina Roederer in einer alten Wassermühle in Weidelbach, die das Paar seit den 1990er Jahren restauriert hat. In unmittelbarer Nähe entstand 2020 der Ausstellungsraum PORTUS, den der Künstler selbst entworfen hat. PORTUS ist als Ort der Konzentration gedacht. Hier begegnen sich Werke aus Klinges eigener Sammlung mit seinen Plastiken.

Ein zweiter Ort ist PORTA, ebenfalls ein eigens errichtetes Gebäude, das in seiner Atmosphäre fast an einen kleinen Palazzo erinnert. Dort präsentiert Klinge seine Arbeiten im Innen- und Außenraum und verbindet Bildhauerei, Architektur und Landschaft.

 

  1. Was ist das Besondere an der Ausstellung in der Kunsthalle?

Die Ausstellung macht einen Kunstort erfahrbar, der normalerweise nicht öffentlich zugänglich ist. PORTUS in Weidelbach ist ein sehr persönlicher Ort der Sammlung und der künstlerischen Reflexion. In Schweinfurt wird diese Konstellation nun in einen musealen Kontext übertragen.

Gerade aus der Perspektive der Kulturvermittlung ist dieser Ansatz besonders interessant, weil sichtbar wird, wie Kunst über historische und geografische Grenzen hinweg miteinander in Resonanz treten kann.

 

  1. Gibt es ein Exponat, das Ihnen besonders am Herzen liegt? Und wenn ja, warum?

Es ist besonders schön zu sehen, dass Werke aus dem Werkzyklus „Memory of Origin“ von Woo Jong Taek Teil der Ausstellung sind. Wir arbeiten mit ihm seit fast zehn Jahren zusammen, und er gehört zu den ersten südkoreanischen Künstlern in unserem Programm. In diesem Jahr jährt sich zudem unser Engagement in Korea zum zwanzigsten Mal.

Woos künstlerische Haltung schöpft aus der Verinnerlichung von Gegensätzen – von Vergangenheit und Gegenwart, von Tradition und Fortschritt. Seine Arbeiten lassen sich in diesem Sinne selbst als Werke des Dialogs verstehen: Sie verbinden unterschiedliche kulturelle und geistige Bezugsebenen und überführen diese Spannungen in eine umfassendere, fast spirituelle Verbundenheit.

Gerade innerhalb des Ausstellungskontexts wird so sichtbar, dass ein kulturübergreifender Dialog auch in der zeitgenössischen Kunst lebendig weitergeführt wird.

 

  1. Warum sollte man die Ausstellung „Corespondentia assonare“ besuchen?

Die Ausstellung bietet eine außergewöhnliche Bandbreite an historischer Skulptur, die man in dieser Form – und vor allem in diesem Kontext – nur selten erleben kann. Für Besucherinnen und Besucher eröffnet sich dadurch eine Vielzahl spannender Entdeckungen.

Gerade die Gegenüberstellung von Werken aus unterschiedlichen Zeiten und kulturellen Kontexten macht den besonderen Reiz aus. Sie zeigt, wie Kunst über Epochen und geografische Räume hinweg miteinander in Beziehung treten kann – und genau dieser Dialog ist es, der Kunst immer wieder neu lebendig macht.


Begleitprogramm:

Sonntag, 12. April 2026, 13:30 Uhr
Behind the Scenes – exklusive Technik-Führung mit Markus Glöckner (Museumstechniker Kunsthalle Schweinfurt), 10 Euro (inkl. Eintritt).

Donnerstag, 23. April 2026, 18:30 Uhr
Kunstgespräch mit Prof. Dr. Kai Uwe Schierz und Dietrich Klinge, 10 Euro (inkl. Eintritt).

Donnerstag, 11. Juni 2026, 18:30 Uhr
Kuratorenführung mit Andrea Brandl M.A. (Leiterin Kunsthalle Schweinfurt), 10 Euro (inkl. Eintritt). 

Sonntag, 21. Juni 2026, 14 Uhr
Behind the Scenes – exklusive Technik-Führung mit Markus Glöckner (Museumstechniker Kunsthalle Schweinfurt), 10 Euro (inkl. Eintritt).

Öffnungszeiten: Di-So 11-17 Uhr, Do bis 20 Uhr, jeden 1. Donnerstag im Monat freier Eintritt.

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