Blick über den Tellerrand: Das war die 6. Klimabuchmesse in Leipzig

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Allgemein

Vielseitig, inspirierend, hoffnungsvoll und gut besucht: Das war die 6. Klimabuchmesse in Leipzig

Informationen, Bildmaterial, viele aktuelle Umwelt-Bücher und was dort los war: www.klimabuchmesse.de
Einige der Podiumsdiskussionen zum Nachschauen in Kürze auch hier: https://www.youtube.com/@klimabuchmesse

Leipzig. Das Team der Klimabuchmesse ist noch ganz beseelt und bedankt sich herzlich bei allen Autor*innen, Partner*innen, Förderern und natürlich den zahlreichen Besucher*innen für vier Tage voller inspirierender Gespräche, Lesungen und Workshops. Die 22 Veranstaltungen, mit 58 Teilnehmer*innen auf der Bühne und insgesamt knapp 1800 Besucher*innen, wurden getragen von Aufbruchsstimmung und Hoffnung, von Fakten, Fantasie, Poesie und angeregten Gesprächen über Geschichten, die Lust auf Zukunft machen. Das freut die Macher*innen der Klimabuchmesse besonders, denn „wir sind überzeugt davon, dass die Held*innen der Zukunft nicht irgendwelche heroische Einzelpersonen sind, sondern ganz normale Menschen, wie du und ich. Wir zeigen, dass auch ganz normale Menschen was Bewegendes auf die Beine stellen können und damit einen Beitrag zur Veränderung hin zu einer lebenswerten Zukunft für alle leisten können.“ sagen Lisa Falkowski und Almut Petschauer, stellvertretend für das über dreißigköpfige Team.

Die Veranstaltungen deckten ein breites Themen- und Format-Spektrum ab: vom Hörspaziergang, bei dem über 100 Teilnehmende an verschiedenen Stationen in der Innenstadt den Ausführungen des Verhaltensbiologen Niklas Kästner sowie dem NABU Leipzig zur Stadtnatur am Limit lauschten, über praktische Klimaanpassungstipps im Beratungszentrum der Stadtwerke sowie Einblicke in kommunale Veränderungen – etwa die größte Solarthermieanlage Europas, die bald in Leipzig ans Netz geht – bis hin zu Fragen, wie wir auf gesellschaftlicher und individueller Ebene mit dem Klimawandel umgehen können. Auf dem Panel mit dem Titel „Zerstörung und Neuanfang: Das Mitteldeutsche Braunkohlerevier in Kultur und Konzernkritik, vorgestellt vom Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre e.V., wurden unterschiedliche Perspektiven verschiedener Akteur*innen beleuchtet, während bei einer Veranstaltung zur psychischen Gesundheit von Kindern in Kooperation mit der Kinder-Uni Leipzig die Psychologin und Illustratorin Lena Steffinger ihr Buch „Wenn Gefühle aus der Reihe tanzen“ vorstellte, das zum Auftakt der Messe für den Jugendbuchpreis in der Kategorie Sachbuch nominiert wurde. Wissen über Gefühle, psychische Erkrankungen und Wege, mit Krisen umzugehen, vermittelte die Autorin live mit den Kindern zeichnend, um insbesondere junge Teilnehmende für einen resilienten Umgang mit den Herausforderungen der Gegenwart zu stärken.

Die Klimabuchmesse bietet aber nicht nur Inspiration, sondern lädt auch ein, selbst kreativ zu werden, denn wenn Literatur Welten erschaffen kann, sollte sie auch dringend mehr Zukunftsvisionen entwerfen – besonders angesichts der Klimakrise. Der Wettbewerb „Klimazukünfte 2050“ wurde gegründet, um genau solche positiven, Mut machenden Geschichten zu fördern, die zeigen, wie wir die Herausforderungen bewältigen können. Auf der Klimabuchmesse wurde die Verlängerung der aktuellen Ausschreibung bekanntgegeben, die Kinder und Jugendliche sowie Erwachsene dazu einlädt, literarische Visionen zu erkunden, wie wir 2050 arbeiten und uns fortbewegen werden. Gesucht werden Erzählungen über Mut, Gemeinschaft und Innovation, die zum Handeln anregen. Die Schreibwerkstatt „Schreiben für eine gute Zukunft – Leben wir eigentlich noch in der richtigen Story?“ mit Anna-Lena Fuhrmann widmete sich diesem Jahr explizit dem Wettbewerb, aber auch jede andere Person, die sich kreativ dem Thema widmen möchte, kann bis zum 30. April 2026 teilnehmen.

Am Donnerstagabend standen in Kooperation mit dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) die Rechte der Natur im Rahmen des Panels „Rettet die Vielfalt – Manifest für eine biodiverse Gesellschaft“ im Fokus. Katrin Böhning-Gaese, Leiterin des Helmholtz-Instituts und Mitautorin des Manifestes „Rettet die Vielfalt“ zitierte John Ironmonger: „Wenn alles andere verschwunden ist, bleiben manchmal nur noch die Geschichten.“ Die dichte Poesie der Erzählungen der Anthologie „Wir dachten, wir könnten fliegen“, herausgegeben von Matthias Jügler, machte das abstrakte Konzept der Biodiversität emotional begreifbar und eroberte die Herzen der Besucher*innen im Sturm. Umso involvierter diskutierte das Publikum im zweiten Teil der Veranstaltung mit, in dem Katrin Böhning-Gaese, Jens Kersten und Helmuth Trischler ihr Manifest „Rettet die Vielfalt“ vorstellten.

Die Fragen rund um die Rechte der Natur wurden auch am Freitagabend wieder aufgegriffen bei „Natur und Gesellschaft: Stimmen für ein neues Miteinander – Über die Bedeutung von Gemeinschaft und Verbunden-Sein für eine gute Zukunft“Wobei nicht nur übers Zuhören und Miteinander geredet wurde, sondern die Besucher*innen neben berührenden Lesungen aus den Büchern der Panelteilnehmer*innen auch selbst ins Gespräch kamen. Dank des engagierten Einsatzes des in den letzten drei Jahren in Folge mit dem Deutschen Verlagspreis ausgezeichneten w_orten & meer-Verlags waren dieses Jahr erstmals auch Indigene Perspektiven auf der Klimabuchmesse vertreten, von denen wir viel über uns Menschen als Teil der Natur und unsere Vernetzung und Abhängigkeit mit ihr lernen können. Sebastian 23 riss die Menschen mit seinen so ergreifenden wie messerscharfen und satirischen Gedichten mit und das Panel entließ frohe und inspirierte Menschen in den zweiten Klimabuchmesse-Abend.

Harte Kost und spannende Fakten gab es im Rahmen von:  „Energie, Macht und Manipulation – in Kooperation mit der ARD Klimaredaktion – Wer etwas verändern will, muss die Wahrheit kennen“. Höchst aktuell ging es um die „Atommafia“ und sexualisierte Gewalt, wie im Fall der französischen Gewerkschafterin Maureen Kearney, die auf diese Weise zum Schweigen gebracht werden sollte (und deren Geschichte mit Isabelle Huppert in der Hauptrolle 2022 verfilmt wurde), Verschleierungstaktiken der Konzerne, die Kurzschlüsse der Politik und darum, dass immer wieder auf fossile Energien gesetzt wird, von denen wir uns abhängig machen. Das Panel lieferte erschreckende Erkenntnisse über Machenschaften der Industrie und Wirtschaftsunternehmen sowie die bewusste Irreführung der Politik. Prof. Dr. Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und Professorin für Energieökonomie und Nachhaltigkeit ist sich sicher: „Wir zahlen den Preis für die verschleppte Energiewende und zwar jetzt“.Greenpeace-Expertin Ursula Bittner ergänzt: „Jahrelang haben wir die Länder des globalen Südens kolonialisiert, jetzt lagern wir auch noch unseren vermeintlichen Umweltschutz in diese Länder aus.“

Doch keine Klimabuchmesse ohne Hoffnungspanel:  Am Samstagabend sprachen Psychotherapeutin Vera Kattermann, Autorin Kathrin Hartmann, Romanautorin Magdalena Schrefel und Schauspielerin Pheline Roggan im Rahmen von „Mutig statt machtlos: Geschichten vom Aufstehen und Weitermachen“ über Hoffnung, Verantwortung und die Kraft der eigenen Handlungsmöglichkeiten und warum wir hoffnungsvoll in die Zukunft sehen können.

In diesem Sinne freut sich das Team der Klimabuchmesse bereits auf 2027 und hält es bis dahin mit den Worten von Magdalena Schrefel, die im Rahmen des Panels das Publikum aufforderte: „Lesen Sie, denn Lesen ist eine der widerständigsten Praxen. Um Bücher lassen sich Banden bilden, und wenn Sie darauf gerade keine Lust haben, können Sie Trost darin finden. Und wer liest, konsumiert und produziert gerade nicht und entzieht sich also dem Zyklus der Vernutzung in der kapitalistischen Gesellschaft.“

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Über die Klimabuchmesse


Die Klimabuchmesse entstand Anfang 2021 in Vernetzung verschiedener „for Future“ Gruppen und weiterer Initiativen. Seit dem Pilotprojekt 2021 findet die Klimabuchmesse nun jährlich statt, in diesem Jahr zum sechsten Mal. Die Veranstaltung, welche die einzige ihrer Art ist, ist nicht kommerziell und entsteht mit viel ehrenamtlichem Engagement aus ganz Deutschland und darüber hinaus sowie einer großen Portion Liebe für Zukunft und Bücher. Die Klimabuchmesse ist ein eingetragener gemeinnütziger Verein.

Das viertägige Programm spannte 2026 einen großen thematischen Bogen: von Biodiversität und Naturschutz über Lyrik zwischen Protest und Trost, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Stadtentwicklung und Energiewende, bis hin zum Umgang mit Emotionen, Gemeinschaft und demokratischem Zusammenhalt. Neben Abendveranstaltungen fanden auch Angebote für Schulklassen, Familien und Kinder sowie interaktive Formate wie Schreibworkshops und ein Stadtspaziergang statt.

Förderer 

2026 mit freundlicher Unterstützung der Stadt Leipzig, der Leipziger Gruppe, dem Stadtbezirksbeirat Mitte und dem Kulturamt Leipzig

Partner*innen

2026 in Kooperation mit: ARD-Klimaredaktion, Botanischer Garten, Bürgerverein Gohlis e.V., Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre e.V., Deutsche Nationalbibliothek, DieUmweltDruckerei, Feine Zukunft, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), Kinder-Uni Leipzig, Kinder- und JugendKulturWerkstadt JOJO, MDR Wissen, NABU Leipzig, Netzwerk Lyrik e.V., NH Hotel, Parents for future, Uni-Bund Halle-Jena-Leipzig, Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS), taz FUTURZWEI, Teachers for Future und Universität Leipzig, Writers for future.

Medienpartner sind der Freitag und Kreuzer.

In Zeiten knapper Fördermittelkassen freuen wir uns mehr denn je über finanzielle Unterstützung, damit wir auch 2027 wieder eine Klimabuchmesse durchführen können. Jeder Beitrag hilft unseren kostenfreien Veranstaltungen und Informationsangeboten, die den Wandel für eine nachhaltige Gesellschaft stärken.

Weitere Informationen, Bildmaterial und das vollständige Programm: www.klimabuchmesse.de
Einige der Podiumsdiskussionen zum Nachschauen in Kürze auch hier: https://www.youtube.com/@klimabuchmesse

 

Kontakt
Klimabuchmesse
t.voigt@coco-pr.de

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