„50 Jahre Groschenheft” – Anekdoten von „seinerzeit” – Der fehlgeklebte Theater-Besuch

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Theaterbesuch Karrikatur KI

Zum Jahresende 1976 zogen wir um – von der Schweinfurter Friedenstraße in die Bergrheinfelder Friedhofstraße. In einem Haus neben dem großen Parkpatz fanden wir geeignete Räume zum Wohnen – die Redaktion quartierte sich im Kinderzimmer ein. Ein großer Schritt – nicht nur räumlich, sondern auch gefühlt ein kleines Stück professioneller. Zumindest dachten wir das.

Denn unsere Methoden zur Erstellung des Veranstaltungskalenders waren für heutige Verhältnisse etwas seltsam. Wir arbeiteten mit einem großen DIN-A4-Schulheft. Die einzelnen Veranstaltungen wurden sorgfältig auf der Schreibmaschine getippt, anschließend in schmale Streifen geschnitten und dann – fein säuberlich nach Datum und Rubrik sortiert – in dieses Heft eingeklebt. Von dort aus wanderte das Ganze in ein Satzbüro, wo der Kalender zunächst mit einem Komposer und später im Fotosatz auf Papier gebracht wurde. Und wir? Wir standen wieder mit der Schere da und schnitten alles für das Layout passend zurecht. Digitale Fehlerquellen gab es nicht – dafür sehr analoge.

Und genau so ein analoger Fehler passierte eines Tages. Eine sehr schöne Theaterankündigung landete beim Einkleben schlicht am falschen Tag. Ein kleiner Handgriff, ein großer Effekt.

Es dauerte nicht lange – inzwischen hatten wir immerhin ein Telefon – da meldete sich ein äußerst ungehaltener Leser. Mit wachsender Empörung schilderte er uns, wie er sich voller Vorfreude an besagtem Abend ins Theater begeben hatte. Seine Frau sei eigens für diesen Anlass noch zum Friseur gegangen, alles sei vorbereitet gewesen für einen gelungenen Abend – und dann sei man in festlicher Kleidung vor verschlossenen Türen gestanden.

Seine Stimmung schwankte irgendwo zwischen Enttäuschung und strafrechtlicher Grundsatzdebatte. Er kündigte an, uns haftbar zu machen und stellte in Aussicht, uns zumindest die Friseurrechnung zukommen zu lassen.

Wir waren zunächst ziemlich geknickt – und auch ein wenig schuldbewusst. Doch nach diesem einen, denkwürdigen Anruf passierte… nichts mehr. Keine Rechnung, keine weiteren Beschwerden, kein juristisches Nachspiel.

Aber eines hatte der Vorfall ganz sicher bewirkt: Von da an gingen wir mit Schere, Kleber und Terminen noch ein gutes Stück gewissenhafter um. Denn eines war klar geworden – zwischen einem gelungenen Theaterabend und verschlossenen Türen konnte tatsächlich ein falsch eingeklebter Papierstreifen liegen.

Text: Andreas Erbar – Herausgeber des Groschenhefts, lässt die Lesserinnen und Leser anlässlich des 50-jährigen Jubiläums an Unvergesslichem teilhaben.

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