Gustav Gunsenheimer – ein Leben für die Musik

756
Legendär und beliebt waren Gustav Gunsenheimers Orgelfahrten

Konzert anlässlich des 85. Geburtstags des Komponisten

Das eigentliche Datum war zwar schon Anfang März, dennoch ist dieser Geburtstag Anlass genug für ein musikalisches Fest: Gustav Gunsenheimer, Kirchenmusiker, Komponist, Lehrer, ist 85 Jahre alt geworden. Wenngleich er sich vor einiger Zeit ganz aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat, veranstaltet der Tonkünstlerverband Schweinfurt/Main-Rhön e.V. ihm zu Ehren am Sonntag, 19. Mai, um 17 Uhr in der Schweinfurter Rathausdiele ein großes Konzert. Einlass ist ab 16.15 Uhr; Eintritt frei, Spenden erbeten.

Gestalten werden es der Fränkische Singkreis (Leitung Manfred Haase), das Bayreuther Mandolinen- und Gitarrenorchester (Leitung Daniel Ambarjan), der Evangelische Posaunenchor Schweinfurt (Leitung Wolfhart Berger) sowie die Solisten Erna Rauscher, Mezzosopran, Heinz Dannenbauer, Klavier, Reinhild Mehling, Altblockflöte, und Inge Ponsel, Querflöte. Es erklingen unter anderem ein Auszug aus Gunsenheimers Rückert-Suite, eines seiner Solokonzerte, Gospels, Lieder und Choralbearbeitungen.

1934 als Sohn fränkischer Eltern in Niederschlesien geboren, kehrte Gustav Gunsenheimer als 12-Jähriger mit ihnen in die unterfränkische Heimat zurück. Nach Abitur und Studium in Bamberg war er Lehrer und Kantor in den Haßbergen, begann schon damals zu komponieren und kleine Konzerte zu organisieren. Als Dorfschullehrer und Leiter des Kirchen- und Posaunenchores entwickelte er schnell ein Gespür dafür, was Laienmusiker leisten können und was sie brauchen – einfache, spielbare, im besten Sinne „brauchbare“ Musik. Diese Erkenntnis prägt sein Schaffen grundsätzlich und nachhaltig.

Im Anschluss an ein zweijähriges Studium im Rahmen eines Staatsstipendiums am Salzburger Orff-Institut wurde er 1968 nach Schweinfurt versetzt. Als Lehrer von Grundschulklassen mit erweitertem Musikunterricht hat er bei Generationen von Kindern entscheidende musikalische Impulse gesetzt; im Rahmen der von ihm veranstalteten Konzertreihen bot er Auftrittsmöglichkeiten für Schulklassen und Jugend musiziert-Preisträger.

Doch auch Instrumentalgruppen, Orchester, Chöre und Solisten aller Couleur holte er in die Schweinfurter Lukaskirche, in der er fünf Jahrzehnte lang als Kantor tätig war. Einige davon standen dabei am Anfang einer Weltkarriere, wie Waltraud Meier, Barbara Schlick, Christoph Prégardien, Michael Tröster. Bis heute liegt ihm die musikalische Förderung junger Menschen am Herzen.

Als Dirigent brachte er mit dem Oratorienchor „Liederkranz Schweinfurt“ nahezu alle großen Werke der chorsinfonischen Literatur zur Aufführung; 55 Jahre lang leitete er den von ihm gegründeten A-cappella-Chor „Fränkischer Singkreis“.

Gunsenheimer war auch in der Lehrerweiterbildung tätig und fungierte als Dozent an Fachakademie und Lehrbeauftragter für Musiktherapie an der Musikhochschule Würzburg. Für seine Verdienste wurden ihm neben dem Titel „Kirchenmusikdirektor“ unter anderem auch die Schweinfurter Stadtmedaille, das Bundesverdienstkreuz und die Plakette „Soli Deo Gloria“ verliehen.

Gustav Gunsenheimers Leidenschaft für die Musik und sein Facettenreiches, unermüdliches Wirken beeindrucken. Man weiß seine Fähigkeit zu schätzen, die musikalischen Ressourcen eines jeden herauszukitzeln und zur Entfaltung zu bringen, Seine Vokal- und Instrumentalmusik, die alle Altersgruppen einbezieht, umfasst verschiedenste Besetzungen und Schwierigkeitsgarde – Gebrauchsmusik im besten Sinne des Wortes.

Dass Nachfrage herrscht und sie wirklich musiziert werden, spiegelte sich immer in der Auflagenhöhe und in zahlreichen Kompositionsaufträgen wider. Mit Leidenschaft und Disziplin widmete sich Gustav Gunsenheimer seiner kompositorischen Arbeit, getrieben von der Erkenntnis, dass die Zeit kostbar ist und viel zu schnell verrinnt. Dabei zeigte er Ausdauer und Beständigkeit, hielt gern am Bewährten fest, setzte sich andererseits ehrgeizige Ziele und nahm neue Herausforderungen an. Durchsichtige Satztechniken, klare rhythmische Strukturen, einprägsame Melodik, wenig harmonische Experimente – das sind die Markenzeichen seiner Werke.

Text: Karin Brückner/Elke Tober-Vogt