Eine Erinnerung an Klaus Hofmann

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Bei der Einweihung des Denkmals zur Erinnerung an die Zwangsarbeiter in Schweinfurt 2011 waren auch Volodomyr Zamorsky (links) und Ivan Kulisch (rechts) dabei. Kulisch wurde 1945 im Barackenlager geboren. Seine Mutter Nastasia war 1942 wie der damals 14-jährige Zamorsky aus der Ukraine verschleppt worden. In der Mitte Klaus Hofmann. Foto: Hannes Helferich

Von Hannes Helferich, Mitglied in der Initiative gegen das Vergessen.

Unermüdlich hat Klaus Hofmann Zeit seines Lebens gegen das Vergessen, Vertuschen, Verdrängen und Verharmlosen gekämpft. Mitte Dezember hat er einen Schlaganfall erlitten. Die sieben Mitstreiter in der Initiative gegen das Vergessen haben sehr gehofft, dass der Sprecher und Motor diesen persönlichen Kampf gewinnt. Er hat ihn verloren. Mit gerade einmal 67 Jahren ist Klaus am 25. Dezember 2020 verstorben.

Klaus Hofmanns Hauptanliegen war bis zuletzt die Aufklärung über das Schreckliche, das von 1933 bis 1945 und danach geschehen ist. Man müsse allen Demokraten Fakten und Argumente in die Hand geben, auch um die aufkeimenden rechten Entwicklungen zu bekämpfen. Das sagte er seit Jahrzehnten immer wieder. „Vor allem die junge Leute müssen wissen, was damals passiert ist, nur daraus können sie Schlüsse ziehen“. Ein Schlüsselsatz.

Klaus Hofmann hat bei den von ihm selbst konzipierten Stadtführungen Tausende erreicht, hat dabei aufgeklärt, vor allem junge Menschen – sein Herzensanliegen. Foto: Johanna Bonengel.

Diesem Ziel widmete er in der Initiative gegen das Vergessen, aber auch in anderen Gruppen wie etwa PAX´an seine ganze Kraft. Seiner freundlichen Unnachgiebigkeit ist es maßgeblich zu verdanken, dass in Schweinfurt und in Werneck Gedenkorte an die Menschen erinnern, die von Nazis ermordet, die unter dem Hitler-Regime leiden mussten.

Seit 2007 erinnert nahe dem Leopoldina-Krankenhaus ein Stein als Denkzeichen und Mahnung an Zofia Malczyk, eine junge polnische Zwangsarbeiterin, die am 21. März 1945 in Schweinfurt von Nazis grundlos ermordet wurde. Am Standort der einstigen Barackenlager auf den Mainwiesen im Stadtteil Oberndorf wurde 2011 ein Gedenkort für die rund 13000  Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in Schweinfurt eröffnet. Zu diesem Mahnmal führt ein „Lagerweg“ mit sieben Tafeln, die das Elend der Zwangsarbeiter beschreiben. Die Patenschaft beider Gedenkorte haben Bayernkolleg bzw. das OMG übernommen, es kümmern sich also junge Menschen kontinuierlich und nachhaltig mit der Thematik.

Der Erinnerungsort an die ausgelöschte jüdische Gemeinde in der Schweinfurter Innenstadt wurde auf Anregung der Initiative würdiger umgestaltet. Auch der  Menschenrechtsgruppe PAX´an ist ein Gedenkort zur Erinnerung an die Opfer der Euthanasie im Park der Psychiatrischen Klinik Werneck zu verdanken. Klaus Hofmann war auch da die treibende Kraft.

Er hat bei den von ihm selbst konzipierten Stadtführungen Tausende erreicht, hat dabei aufgeklärt, vor allem junge Menschen – sein Herzensanliegen. Neben dem Lagerweg gibt es Stadtführungen zu den Stätten des Nationalsozialismus, seit 1994 erinnerte Klaus Hofmann  persönlich immer am 9. November an die von Nazis an Juden verübten Grausamkeiten. Auch zu Zofia Malczyks letztem Weg vom Gefängnis am Main bis zum Tatort am Krankenhaus konzipierte Klaus Hofmann eine Führung.

Aufgeklärt wird aber auch durch zahlreiche Publikationen, für die federführend Klaus Hofmann verantwortlich zeichnete. „Nach dem Krieg ist keiner Nazi gewesen…“ hat bereits die dritte Auflage erreicht. Die Broschüre „Verschickt und verschollen“ berichtet über den Pogrom in Schweinfurt im November 1938. Eine Broschüre schildert das Schicksal der Zwangsarbeiter in Schweinfurt, eine weitere das von Zofia Malczyk. In den „Anmerkungen zu einer Internierung in Deutschland – 1943 bis 1945“ berichtet der italienische Zwangsarbeiter Leonardo Calossi über seine schlimmen Erlebnisse.

Das Hauptanliegen der Initiative, nicht zu vergessen und aufzuklären, ist oftmals  auf sehr unerfreuliche Widerstände und Empörung konservativer Kreise gestoßen. Gleichwohl wurde die Notwendigkeit der Arbeit der Initiative vor allem in den letzten Jahren anerkannt. 2016 erhielt die Initiative als erster Preisträger den von der SPD Unterfranken vergebenen Felix-Freudenberger-Preis. Hervorgehoben wurde dabei der alle zwei Jahre veranstaltete Geschichtswettbewerb, mit dem die Initiative mit ihrem Sprecher Klaus Hofmann an der Spitze junge Menschen zum Umgang mit den dunklen Seiten der Geschichte animiert. Erst kürzlich wurde  die Gruppe wegen ihrer nie nachlassenden Aufklärungs- und Erinnerungsarbeit zu einem der Preisträger der Aktion „Zeichen setzen“ von Main Post und Lernwerk Volkersberg gekürt.

Klaus Hofmanns stets herausragende Rolle wurde ebenso mehrfach gewürdigt. Die Stadt Schweinfurt ehrte ihn 2016 mit der Stadtmedaille in Silber. „Damit Vergangenheit im Bewusstsein bleibt, bedarf es engagierter und rühriger Menschen, die forschen, erhalten und erinnern – Menschen, wie Sie es sind.“, so Oberbürgermeister Sebastian Remelé in seiner Laudatio. 2018 wurde Klaus Hofmann die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen, 2020 erhielt er die Ehrenurkunde des Landkreises Schweinfurt. Beide Auszeichnungen übergab Landrat Florian Töpper, der Hofmann wegen seines langjährigen Engagements sowie seines außergewöhnlichen und ausdauernden Einsatzes ein Vorbild nannte.

Den sieben Akteuren der Initiative war Klaus Hofmann dieses große Vorbild schon lange. Demnächst steht die nächste Bewährungsprobe an. Im Stadtrat wird entschieden, ob Willy Sachs die Ehrenbürgerwürde verliert. Klaus Hofmann hatte das schon vor Jahrzehnten gefordert. Die Faktenlage ist eindeutig, wenn sich in der Diskussion auch zeigte, dass selbst 75 Jahre nach Kriegsende immer noch zu viele Menschen Tatsachen verdrehen, gerade biegen und vor allem: relativieren. Klaus hat dagegen Zeit seines Lebens angekämpft. Die Initiative wird im Sinn von Klaus Hofmann weitermachen und weiter aufklären, „wir sind Klaus das schuldig“.