Mit der Trauer leben lernen – Impulse für eine innere Balance

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„Jede Trauer ist individuell für sich betrachtet immer besonders, immer traurig, immer eine Herausforderung, aber immer auch eine Chance zu persönlichem Wachstum und Weiterentwicklung.“ In kurzen, aber empathischen Abschnitten bietet Christine Kempkes Impulse für den Alltag an, die behutsam dabei helfen, das Leben nach dem Verlust eines geliebten Menschen wieder aktiv zu gestalten und neue Perspektiven zu entwickeln. Nicht nur der Trauerprozess an sich wird thematisiert, sondern auch die alltäglichen „Handgriffe“, die sich plötzlich so unendlich schwer anfühlen:

  • Wie begegne ich Kolleg*innen, Freund*innen etc.? Wie kommuniziere ich, was ich jetzt brauche?
  • Wie gestalte ich Feiertage wie Weihnachten freudvoll trotz und mit der Trauer?
  • Wie verarbeite ich intensive Gefühle von Traurigkeit, Wut, Angst oder Schuld?
  • Wie gehe ich mit Einsamkeit um?
  • Wie kann ich gut auf mich und meinen Körper achten, wenn sich alles sinnlos anfühlt?

Das Buch wird ergänzt durch Videos und Podcastepisoden, in denen die Autorin einzelne Aspekte weiter ausführt und die Leser*innen persönlich begleitet.

„Durch die Lektüre habe ich Antworten auf Fragen bekommen, die ich mich selbst nicht zu stellen getraut habe.” (Edeltraud, Leserin)

 

Christine Kempkes ist Bestatterin, zertifizierte Coach und Trauerbegleiterin nach den Richtlinien des BVT, des Fachverbands für Trauerbegleitung. Sie engagiert sich als ehrenamtliche Sterbebegleiterin beim ambulanten Hospiz Oberhausen. Die Themen Sterben, Tod und Trauer dorthin zu holen, wohin sie gehören – in die Mitte des Lebens –, ist ihr ein Herzensanliegen.

Mit der Trauer leben lernen, erschienen Oktober 2020, junfermann, 208 Seiten, kartoniert. ISBN: 978-3-7495-0143-4

 

Interview mit Christine Kempkes

Zu „Mit der Trauer leben lernen – Impulse für eine neue innere Balance“

Christine_Kempkes
  • Als Bestatterin, Trauerrednerin, Coach und Trauerbegleiterin sowie ehrenamtliche Sterbebegleiterin sind Sie täglich mit dem Tod konfrontiert. Das klingt auf den ersten Blick erstmal traurig und belastend. Wie erleben Sie das? Und wie kam es zu dem Impuls, sich beruflich mit dem Thema Tod und Sterben auseinander zu setzen?

Aus meiner persönlichen Sicht sind die Themen Sterben, Tod und Trauer nicht so negativ belegt. Sie gehören für mich zum Leben dazu, genauso wie die Freude über schöne Ereignisse oder Erfolge. Ich bin durch persönliche Erfahrungen, z.B. nach dem Tod meines Vaters oder durch den frühen Tod meiner Schwester, zu dieser Arbeit gekommen und empfinde sie als meine Lebensaufgabe. Nach Stationen in der freien Wirtschaft als Personalerin und Führungskräftetrainerin fühle ich mich heute am richtigen Platz!

Natürlich brauche ich einen guten Ausgleich zu meiner Arbeit: meine Hündin Nelly leistet da einen ganz wichtigen Beitrag, ich liebe es, in der Natur zu sein. Außerdem kann ich beim Nähen oder Stricken wunderbar abschalten.

 

  • Was raten Sie jemandem, der einen Trauernden im persönlichen Umfeld hat? Gibt es Sätze, die helfen können und Sätze, die man vermeiden sollte? Sowohl im persönlichen Kontakt als auch bei Kondolenzschreiben?

Das Wichtigste ist, überhaupt in Kontakt mit der trauernden Person zu gehen und sich nicht zurückzuziehen. Dabei sollten Floskeln vermieden werden, wie z.B. „die Zeit wird alle Wunden heilen“ oder „er/sie hat sein/ihr Leben gelebt“. Wer keine passenden Worte findet, kann das auch ganz ehrlich sagen, z.B. „Ich bin sprachlos und weiß gar nicht, wie ich Dir nun helfen kann.“

Trauernde freuen sich, wenn ihnen Menschen von ihren persönlichen Erlebnissen mit dem Verstorbenen berichten. So eignet sich die Kondolenzkarte gut dazu, eigene Erinnerungen zu schildern. Als die Mutter meiner besten Freundin verstarb, habe ich ihr geschrieben, dass ich mich jedesmal an ihre Mutter erinnere, wenn ich Reis koche. Denn sie war es, die uns als Jugendliche in einem Urlaub eine Faustformel für das Verhältnis Reis-Wasser beigebracht hat!

 

  • Sie geben ja auch Seminare über den Umgang mit Tod und Trauer im beruflichen Kontext – wie begegne ich Kolleg:innen nach einem Todesfall? Wie sollte eine Führungskraft optimalerweise mit so einer Situation umgehen?

Auch hier ist das Wichtigste, die Trauer nicht totzuschweigen. Trauernde legen ihre Trauer ja nicht am Eingang zum Büro ab. Allerdings möchte nicht jede:r Angehörige über die Trauer sprechen. Die Führungskraft sollte also klären, ob der Mitarbeitende auf den Todesfall angesprochen werden möchte. In einem persönlichen Gespräch kann auch geklärt werden, ob ggf. für eine Zeit lang die Aufgaben anders im Team verteilt werden können. Denn Trauernde leiden oft unter Konzentrationsschwierigkeiten und sind temporär nicht so belastbar.

Ganz grundsätzlich gilt: nie über den Kopf des/der Trauernden hinweg entscheiden, sondern immer gemeinsam im Gespräch klären, welche Unterstützung benötigt wird.

 

  • Angenommen jemand mir sehr nahe Stehendes stirbt und selbst bin völlig überwältigt von all den Gefühlen, die jetzt auf mich einströmen – wie finde ich raus, was mir jetzt gut tut?

Indem Sie sich vor allem nicht von anderen vorschreiben lassen, was Ihnen gut tun könnte! Leider meint das Umfeld von Trauernden oft sehr genau zu wissen, was zu tun oder zu lassen ist. Ratschläge wie „Du musst mal unter Leute gehen“ oder „Du musst für Deine Kinder stark sein“ hören Trauernde leider sehr häufig. Aber jeder Trauerprozess ist ganz individuell und was für die Freundin stimmig war, muss für Sie nicht unbedingt passen. Wir Menschen tragen die Fähigkeit zu trauern in uns, denn Trauer ist das ganz normale Gefühl zur Verarbeitung eines Verlusts. Manchmal ist diese Fähigkeit ein wenig verschüttet, dann braucht es etwas Zeit, sie frei zu schaufeln.

Trauernde machen oft in dieser Lebenskrise erstmals die Erfahrung, die eigenen Bedürfnisse tatsächlich zu erkennen und sie zu achten. Sie lernen, auf die innere Stimme zu hören.