Les Amusements – Max Slevogts Inspirationen durch Bühne und Literatur

249
Max Slevogt: Max Slevogt: Tamino und Pamina wandern durch Feuer und Wasser, Entwurf zur „Zauberflöte“ 1928 in der Berliner Staatsoper Unter den Linden, Aquarell/Gouache und Kohle auf Karton, 37 x 49,6 cm, GDKE, Landesmuseum Mainz, Slevogt-Archiv, Grafischer Nachlass © GDKE, Landesmuseum Mainz, Foto: A. Garth

Im Museum Georg Schäfer ist vom 13. März bis 19. Juni 2022 die Ausstellung „Les Amusements – Max Slevogts Inspirationen durch Bühne und Literatur” zu sehen.

Max Slevogt (1868-1932) ist einer der drei großen Impressionisten Deutschlands. Sein Leben und Werk sind eng mit München, Berlin und der Pfalz verbunden, mit der Berliner Secession, dem mondänen Leben der Großstadt, aber auch mit der lichtdurchfluteten Landschaft, der Fantasie des Geistes – doch nicht zuletzt auch mit Musik, Bühne und Literatur.

Max Slevogt: Selbstbildnis (vor dem
„Hörselberg“ nach Wagners „Tannhäuser“), 1915, Öl auf Holz, © Museum Georg Schäfer, Schweinfurt

Bühne und Musik spielten im Leben Max Slevogts eine bedeutende Rolle. Selbst ein begabter Sänger und Pianist pflegte er Freundschaften und Kontakte zu Musikern wie dem Sänger Francisco d’Andrade oder dem Dirigenten Arturo Toscanini. Er zeichnete zu Schumann-Sonate und Chopin-Ballade, schuf später Wandgemälde zu Zauberflöte, Don Giovanni und dem Ring des Nibelungen. Nach seinem Umzug nach Berlin 1901 wurde er von Theaterleitern wie Otto Brahm und Max Reinhardt umworben. Er schuf u.a. Bühnenbilder für Gerhart Hauptmanns Florian Geyer, für Inszenierungen der Zauberflöte und des Don Giovanni in Berlin und Dresden. Später bot er sich selbst für Projekte an, die ihn interessierten, auch wenn sich einige davon nicht verwirklichen ließen, so die Zusammenarbeit mit den Wagners in Bayreuth.
Die Ausstellung zeigt Bühnenbild- und Kostümentwürfe für Theater- und Opernhäuser. Sie wird einige seiner Skizzen mit Fotografien der realisierten Aufführungen zusammenbringen. Als Bühnengestalter setzte Slevogt das Malerische seiner Gemälde ins große, von Menschen bespielbare dreidimensionale Format um.

Ein zentraler Raum der Ausstellung wird zudem seinen Künstler- und Starporträts gewidmet sein, den Darstellungen von Tänzerinnen und Schauspielerinnen wie der Ballerina Anna Pawlowa oder der japanischen Darstellerin Sada Yakko. Eine besondere Bedeutung kommt dem Thema Don Juan / Don Giovanni zu, da hier aufgrund der persönlichen Beziehung zwischen Slevogt und dem berühmten Sänger Francisco d’Andrade ein Höhepunkt des Rollenporträts zu finden ist.

Ein weiterer Teil der Ausstellung beschäftigt sich mit den literarischen Motiven in Slevogts Malerei und mit seinen Illustrationen. Auch hier gibt es immer wieder Dramatisches, Bühnenhaftes und Szenisches, später auch Annäherungen an den Film, sowie Parallelen zur Musik, denn Slevogt liebte als Zeichner die Improvisation, das Allegro, Presto und die Capricen. Der Künstler gehört zu den bedeutendsten und revolutionärsten Illustratoren seiner Zeit. Er setzte in diesem Fach das Impressionistische – den Moment, die Bewegung, das zufällig Wirkende, Spontane, Sinnliche, Unvollendete und die Auflösung von Fläche und Kontur – in zum Teil radikaler Weise um.

Bei der Auswahl seiner Sujets hatte er eine Vorliebe für Dramatik, Abenteuer und Fantastisches. In der Ausstellung sind sowohl Illustrationen zu orientalischen und europäischen Märchen zu sehen, etwa zu Ali Baba, 1001 Nacht, Sindbad der Seefahrer und den Alten Märchen, als auch zu Werken aus dem Bereich der klassischen Literatur wie Goethes Faust, Cervantes‘ Don Quichote oder zu antiken Stoffen wie Homers Ilias, aber ebenso zu den von ihm heiß geliebten Wildwest-Geschichten wie Der Waldläufer oder den Lederstrumpf-Erzählungen.

Die große Ausstellung zeigt neben dem Slevogt-Bestand des Museums Georg Schäfer Meisterwerke aus den großen Slevogt-Sammlungen im Landesmuseum Mainz, im Saarlandmuseum in Saarbrücken und aus der Pfälzischen Landesbibliothek Speyer sowie aus weiteren Museen und privaten Sammlungen. Zu sehen sind etwa 120 Gemälde und Arbeiten auf Papier, dazu kommen Fotos und Dokumente.
Es gibt zudem einen biographischen Teil, der einen Einblick in Slevogts Schaffen jenseits von Bühne und Literatur erlaubt und seinen Rückzugsort in der Pfalz als weitere Inspirationsquelle vorstellt.
Dieser Ausstellungsbereich wird um Gemälde aus der Neuen Pinakothek in München bereichert, die während der dortigen Sanierungsmaßnahmen in Schweinfurt zu Gast sind.
Zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Katalog mit Essays und Werkkommentaren im Sandstein Verlag.

Max Slevogt: Die Tänzerin Anna Pawlowa, 1909, Öl auf Leinwand, 173 x 128 cm, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Galerie Neue Meister © Albertinum | GNM, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Elke Estel/Hans-Peter Klut

Begleitprogramm zur Ausstellung · Führungen und Workshops (Auswahl):
So., 27.03., 14 Uhr: Eingefangene Momente der Bewegung, mit Dr. Anja Gareiß-Castritius
Sa., 09.04., 10.30-14.30 Uhr: Workshop für Erwachsene. Malen im Museum: Bewegte Bilder, mit Anne Hess Ab 14 Jahre auch für Anfänger und Ungeübte geeignet.
Di., 03.05., 18 Uhr: in petto spezial · Max Slevogts Illustrationen zu Märchen aus 1001 Nacht, mit Dr. Karin Rhein
Di., 10.05., 18.30 Uhr: Max Slevogt – Faszination Bühne, mit Gabriele Hendges
Sa., 14.05., 14.00 Uhr: Slevogt und die Großen der europäischen Literatur – Shakespeare, Goethe, Cervantes, mit Margit Hofmann
Di., 07.06., 18 Uhr: in petto spezial · Max Slevogt und die Zauberflöte, mit Dr. Karin Rhein
Kuratorenführungen: So., 13.03., und So., 19.06., 14 Uhr, mit Dr. Karin Rhein Di., 05.04., 18:30 Uhr, mit Prof. Dr. Wolf Eiermann

für Kinder und Jugendliche (Auswahl):
So., 27.03., 14 Uhr: Male deinen Star, mit Anne Hess
So., 03.04., 14 Uhr (90 min) KUNST FÜR KINDER: Let´s dance! mit Rebecca Mönch
So., 15.05., 14 Uhr: Florian Geyer. Ein Ritter im Schattentheater, mit Anne Hess
So., 22.05., 14 Uhr: Erzähle ein Märchen in Bildern, mit Anne Hess
Sa., 14.05./21.05./28.05., je 10 – 12 Uhr: KUNSTCLUB: 1001 Nacht, mit Rebecca Mönch Für Kinder: ab 8 Jahren.

Anmeldung zu Führungen unter Tel. 09721/514825. Es gelten die aktuellen Corona-Maßnahmen. Infos über www.museumgeorgschaefer.de
Öffnungszeiten: Mi bis So 10 bis 17 Uhr, Di 10 bis 20 Uhr.
Museum Georg Schäfer, Brückenstraße 20, Schweinfurt, Tel. 09721/514825.