„Wärmewende mit Holz“ – Veranstaltungsreihe am Steigerwald-Zentrum

274
Wer im Winter Holz vor seiner Hütte weiß, ist gut dran. (c) AndreasLeyrer
Handthal – Eine Veranstaltung zum Heizen mitten im Hochsommer? Die Vortragsreihe zum Thema „Wärmewende mit Holz“ am Steigerwald-Zentrum stieß trotz sommerlicher Temperaturen auf reges Interesse. Denn der nachhaltige Energieträger Holz boomt – und das nicht erst seit der Gasversorgungskrise und steigenden Preisen für fossile Brennstoffe.

Holz setzt bei der Verbrennung genauso viel CO2 frei, wie die Bäume im Laufe ihres Lebens gebunden haben. Bei nachhaltiger Waldbewirtschaftung ist Holz bei der Verbrennung dadurch nahezu klimaneutral – im Gegensatz etwa zu Heizöl. Im waldreichen Unterfranken ist Holz meist regional verfügbar und daher ohne lange Transportwege zu beschaffen. Auch wirtschaftlich gesehen schneidet Holz als Energieträger im Vergleich zu fossilen Brennstoffen, gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Preisentwicklungen, gut ab. Das hat bei vielen Menschen den Wunsch bestärkt mit Holz, Pellets oder Hackschnitzeln zu heizen.

Die Investition in eine solche Biomasseheizung muss wegen der schärfer werdenden Umweltauflagen aber gut überlegt werden. Das Steigerwald-Zentrum in Handthal hatte deshalb Experten vom Technologie- und Förderzentrum Straubing (TFZ) und der Energieagentur Unterfranken zu einem Vortragsabend eingeladen, um rund um die „Wärmewende mit Holz“ zu informieren.

Zu Anfang der Veranstaltung klärte Klaus Reisinger vom TFZ über rechtliche und technische Rahmenbedingungen auf. „Entscheidend für eine gute Verbrennungsqualität sind eine bedarfsgerecht dimensionierte Technik, trockene, naturbelassene Brennstoffe und die fachgerechte Bedienung der Holzfeuerung“, so der Fachmann.

Besonders bei der Bedienung von Einzelraumfeuerstätten, z. B. von Kaminöfen, kann durch zu feuchtes Holz, ungeeignetes Anzündmaterial, Überladen oder fehlerhafte Regelung der Luftzufuhr viel falsch gemacht werden. In der Folge kann es zu ineffizienter Verbrennung, schlechten Abgaswerten und hohen Feinstaubwerten kommen. Weniger fehleranfällig sind sensorgesteuerte Scheitholz- oder Pelletkessel, die durch weitgehend vollautomatischen Betrieb nahezu den Komfort einer Gas- oder Ölzentralheizung bieten. Reisinger ging in seinem Vortrag auch auf die seit 2015 noch einmal deutlich verschärften Emissionsgrenzwerte und die geltenden Übergangsfristen für Bestandsanlagen ein.

Im Anschluss gab Andreas Leyrer vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Schweinfurt Tipps zum fachgerechten Lagern und Trocknen von Holz. Denn Heizwert und Abgasentwicklung hängen ganz wesentlich vom Wassergehalt ab. Waldfrisches Holz hat einen Wassergehalt von etwa 50% und muss erst auf unter 20% heruntergetrocknet werden, ehe es verbrannt werden kann. „Auch an einem gut belüfteten, überdachten und sonnigen Lagerplatz dauert das mindestens ein Jahr,“ erläuterte Leyrer.

Die Wirtschaftlichkeit verschiedener Heizsysteme beleuchtete Otmar Körner von der Energieagentur Unterfranken in seinem Vortrag: Zwar werden heute noch fast drei Viertel aller Wohnungen in Deutschland mit Gas und Öl beheizt. Deren Betrieb wird aber mit der steigenden CO2-Steuer und angesichts stark schwankender Weltmarktpreise zunehmend teurer. „Die deutlich höheren Investitionskosten für eine Holzheizung werden durch die günstigeren und stabileren Brennstoffkosten vor allem bei hohem Wärmebedarf mehr als ausgeglichen,“ so Körner. Über die Gesamtlebensdauer einer Heizung haben Biomasseheizanlagen deshalb einen erheblichen Kostenvorteil, vor allem wenn man die Möglichkeit hat, Holz selbst aufzuarbeiten.

Klaus Reisinger wies abschließend noch auf die aktuell sehr vorteilhaften Förderbedingungen z. B. der BAFA für Biomasseheizungen hin, vor allem wenn eine Fachplanung in Anspruch genommen und ein alter Ölkessel ausgetauscht wird.

Wermutstropfen sind aktuell nur die langen Lieferzeiten und die hohe Auslastung der Installateure.

Weitere Informationen und wertvolle Hinweise zum Heizen mit Holz gibt es auf der Website des Technologie- und Förderzentrums Straubing unter https://www.tfz.bayern.de/biogenefestbrennstoffe