Buchvorstellung: „Vermächtnis einer Fremden”

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Alexander Köhl. Foto: Harald Peter

Ein rätselhaftes Testament: Ein mysteriöses Vermächtnis, ein ungeklärter Mord und ein Biograf auf den Spuren seiner eigenen Vergangenheit.

Die Geschichte eines Menschen kann so spannend sein wie ein guter Krimi. Jemand, der dies ganz genau wissen muss, ist der Aschaffenburger Autor Alexander Köhl: Neben seiner Arbeit als Krimischriftsteller ist er als Biograf tätig und erforscht und erzählt die Lebensgeschichten seiner Kundinnen und Kunden.

Dabei deckt er immer wieder Geheimnisse und Verborgenes auf. Doch was wäre, wenn ein Biograf auf ein Verbrechen stößt, das ihn selbst in den Grundfesten seiner Existenz erschüttert? Diese Frage stellt Alexander Köhl in seinem neuen Kriminalroman.

Sein Protagonist ist ein ehemaliger Polizist, der sich gerade als Ghostwriter und Biograf einen neue Existenz aufbaut. Doch als er erfährt, dass er das Erbe einer ihm unbekannten Frau antreten soll, stößt er bei seinen Recherchen auf ein dunkles Geheimnis in seiner eigenen Familiengeschichte und auf ein Verbrechen, das bis in die Zeit des DDR-Regimes zurückreicht. Und allzu bald erkennt er, dass die Schatten der Vergangenheit sein Leben in große Gefahr bringen.

„Vermächtnis einer Fremden” handelt von der schmerzhaften Suche nach der eigenen Identität. Alexander Köhl verwebt geschickt die Lebensgeschichten seiner genau ergründeten Protagonisten ineinander und erzählt deutsch-deutsche Geschichte höchst spannend und berührend.

Alexander Köhl, 1965 in Aschaffenburg geboren, studierte Betriebswirtschaft und war viele Jahre Unternehmer. Heute ist er als freier Autor tätig und lebt mit seiner Frau in der Nähe seines Geburtsortes. Neben zahlreichen Kriminalromanen veröffentlicht Köhl auch Krimikurzgeschichten und Biografien.
Alexander Köhl „Vermächtnis einer Fremden”, 384 Seiten, Paperback, 15 €. Auch als E-Book erhältlich. Grafit in der Emons Verlag GmbH, ET 08/2023, ISBN 978-3-98659-016-1.

Interview mit Alexander Köhl: Der Biograf des Verbrechens

In Ihrem Kriminalroman „Vermächtnis einer Fremden“ begegnen wir einem Protagonisten mit einem ungewöhnlichen Beruf. Ihr Krimiheld ist Biograf. Wie kam es dazu?

Als Biograf habe ich mir hin und wieder die Frage gestellt, wie ich wohl reagieren würde, wenn ich im Zuge meiner Ar-beit Verdacht auf oder Kenntnis über ein Verbrechen bekäme. Würde ich mich sofort an die Polizei wenden?
Oder würde ich erst einmal versuchen, mehr über das Gehörte in Erfahrung zu bringen und selbst recherchieren? Meine Hauptfigur Tom Berger schlägt den zweiten Weg ein und gerät so in tödliche Gefahr. Außerdem habe ich schon einige Kriminalromane mit klassischen Ermittlerfiguren geschrieben. An der Ermittlerfigur des Biografen reizt mich besonders, dass er nicht den klassischen »kriminalistischen Weg« wie ein Kommissar gehen muss, sondern unkonventionell agieren kann.

Sie arbeiten selbst als Biograf, Chronist und Ghostwriter. Glauben Sie, dass die Tätigkeiten eines Ermittlers und eines Biografen Gemeinsamkeiten aufweisen? Beide forschen ja anhand von Quellen oder Zeugenaussagen nach einer Art von Wahrheit.

Gemeinsamkeiten gibt es eigentlich nur im weitesten Sinn. Insofern, dass beide Lebensgeschichten und Ereignisse von Personen erzählt bekommen, die sie auf ihren Wahrheitsgehalt abklopfen müssen.
Ein Polizist tut dies im Allgemeinen aber nur, um ein Verbrechen aufzuklären, während ein Biograf sich üblicherweise mit dem gesamten Leben einer Person beschäftigt und das Er-zählte eher auf Logik und chronologische Stimmigkeit (z.B. der Korrektheit von historischen Zeitangaben) überprüft.

Gibt es in Ihrer Arbeit als Biograf überhaupt eine einzige und allgemeingültige Wahrheit?

In einem Kriminalfall gibt es die ein-ige allgemeingültige Wahrheit. Entweder hat sich ein Verbrechen so zugetragen oder nicht. Das tatsächlich Geschehene nachzuweisen gelingt hier häufig anhand von Beweisen wie Fingerabdrücken und DNA-Spuren.
Im Biografischen gibt es natürlich auch nur eine Wahrheit. Aber nachzuweisen ob die Fakten hier stimmen, ist viel schwieriger, da vieles nicht anhand von Beweisen nachprüfbar ist, sondern auf Erinnerungen basiert, die hin und wieder unscharf sind und variieren.

Ihr Roman thematisiert ein Stück deutsch-deutscher Geschichte, über das in der Öffentlichkeit noch kaum gesprochen wird. Können Sie ohne zu viel über Ihren Krimi zu verraten, andeuten, worum es geht?

Das genaue Thema des Romans verraten kann ich nicht, ohne dem Roman die Spannung zu nehmen. Ich kann nur so weit „die Katze aus dem Sack” lassen, dass es in „Vermächtnis einer Fremden“ um ein schweres Verbrechen des DDR-Regimes an einem bestimmten Personenkreis geht, von der die Öffentlichkeit in der Tat noch nicht allzu viel weiß.

Am Ende Ihres Buchs schließt Ihr Protagonist in gewisser Weise Frieden mit seiner ei-genen Geschichte. Ist es für Sie dennoch denkbar, dass wir ihn in einem zweiten Buch wiedertreffen?

Ich arbeite sogar schon an einem Folgeband und wieder wird auch das Thema Identität eine große Rolle spielen.

Wir bedanken uns beim Grafit-Verlag für dieses Interview.