100 Jahre Evangelischer Posaunenchor Schweinfurt

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Der Evangelische Posaunenchor Schweinfurt

Jubiläumsveranstaltungen im Oktober

Sein 100-jähriges Bestehen feiert in diesen Tagen der evangelische Posaunenchor Schweinfurt (siehe auch September-Groschenheft). Während sich eine noch bis zum 4. November laufende Ausstellung in der St.-Johannis-Kirche und eine Festschrift in erster Linie mit der Geschichte des Chores beschäftigen, wird die Formation in einem Jubiläumskonzert am Samstag, 19. Oktober, um 17 Uhr (ebenfalls in der St.-Johannis-Kirche) unter der Leitung von Wolfhart Berger einen Einblick in ihr musikalisches Repertoire geben. Es reicht von der Barockzeit bis zur Gegenwart, von konzertanten bis zu bes(ch)wingten Titeln, von geistlicher bis zu profaner Musik, kurz: das für Blechbläser Machbare ausloten. Zu den Komponisten, von denen Werke gespielt werden, zählen Hans Leo Hassler, Georg Philipp Telemann, Gottfried Reiche, Felix Mendelssohn-Bartholdy, Ludwig Maurer, aber auch eine Reihe von Zeitgenossen wie etwa Richard Roblee. – Konzertpartner ist der Organist der Heilig-Geist-Kirche, Martin Seiwert. – Der Eintritt ist frei.

Am Sonntag, 20. Oktober, um 10.30 Uhr findet ebenfalls in der St.-Johannis-Kirche ein Festgottesdienst zu diesem Jubiläum mit Dekan Bruckmann statt, dem Schweinfurter Posaunenchor sowie Landeskirchenmusikdirektor Ulrich Knörr (München) an der Orgel. Im Anschluss werden der Bezirksposaunenchor unter der Leitung von Peter Dietrich (Zeilitzheim) und Christian Heinemann (Sennfeld) und einzelne Chöre ein Standkonzert auf dem Martin-Luther-Platz gestalten (bei ungünstiger Witterung in der Kirche).

Der Posaunenchor 1924

1919 noch als „Posaunenchor des CVJM Schweinfurt“ von drei jungen Männern gegründet, dem Schriftsetzer Karl Georg Krug sowie Max Jopp und Fritz Völker, wuchs er während der Weimarer Republik auf zuletzt über 20 Mann an. Als ihren wichtigsten Auftrag sahen die Bläser die christliche Verkündigung an, ganz in der Tradition der „Erweckungsbewegung“ des 19. Jahrhunderts. In der NS-Zeit war – nach einer kurzen Phase der Bündelung und des Zusammenhalts in der Posaunenbewegung insgesamt – auch der Schweinfurter Chor Bedrohungen und Schikanen ausgesetzt, bis seine Aktivitäten mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges fast ganz zum Erliegen kamen.

Nach dem Krieg war es zunächst Max Jopp, der im Zusammenspiel mit Karl Georg Krug mit viel Energie die aus dem Krieg zurückgekehrten Bläser motivierte, Instrumente beschaffte, Nachwuchsmusiker suchte und schließlich zusammen mit der Kirchenführung einen neuen Chorleiter fand: Carl Klenk, ehemaliger Leiter des Städtischen Orchesters.

Dieser brachte bis zu seinem Tod 1959 die musikalische Ausbildung des Posaunenchors (wie auch etlicher anderer Instrumental- und Vokalchöre) entscheidend voran und leitete damit eine „neue Ära“ des Posaunenchors ein.

Nach häufigen Chorleiterwechseln und vielfältiger zum Teil divergierender musikalischer Strömungen brachte von 1969 bis 1983 der Sennfelder Hermann Heinemann, früherer Klenk-Schüler, den Chor wieder „auf Kurs“, indem er die Linie seines Vorbilds mit den neuen Strömungen der Kirchenmusik in jener Zeit vereinte, also die „neuen Lieder“ und eine modernere Instrumentalmusik mit einbrachte.

Nachfolger Heinemanns wurde Wolfhart Berger, wiederum ein „Eigengewächs“ des Posaunenchors, musikalisch solide ausgebildet und in verschiedensten Formationen als Trompeter aktiv gewesen. Seine Devise: „Musikalische Vielfalt“ – alles ausprobieren, was mit Blechblasinstrumenten machbar und für die Mitglieder erreichbar erscheint, ohne deshalb alle Traditionen zu kappen.