„ich kenne kein Weekend“

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Ausstellung der Kunsthalle Schweinfurt, Galerie im Quadrat vom 17. Mai bis 16. August – Joseph Beuys, KP Brehmer, K.H. Hödicke, Peter Hutchinson, Arthur Köpcke, Sigmar Polke und Wolf Vostell in der Edition Block.

Der Ausspruch „ich kenne kein Weekend“ ist Joseph Beuys‘ Reaktion auf den Vorschlag René Blocks, einen Beitrag zu dessen Edition unter dem Titel „Weekend“ beizusteuern. Das Ergebnis war 1971/72 ein Koffer mit Objekten von Beuys, der insgesamt 18 graphische Arbeiten von sechs weiteren Künstlern aus dem Umfeld Blocks beinhaltet.

Joseph Beuys, ich kenne kein Weekend, Koffer mit Maggiflasche und Reclam-Band „Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft“, 1971/72. Foto: Bundessammlung zeitgenössischer Kunst, © VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Es handelt sich dabei nach der „Grafik des Kapitalistischen Realismus“ und „En Bloc“ um die dritte Edition des Galeristen, der noch viele weitere Sammel- und Mappenwerke folgten. Wenige Jahre nach „Weekend“ wurde das Duo Beuys und Block mit der spektakulären Aktion „I like America and America likes me“ schlagartig international berühmt. Der Künstler schloss sich dafür mehrere Tage mit einem Kojoten in die New Yorker Galerie seines Unterstützers ein.

René Block förderte maßgeblich Künstler der Fluxus-Bewegung (lat. fluxus = fließend). Diese hat ihre Anfänge in den 1960er Jahren um Knotenpunkte in Westdeutschland sowie New York. Fluxus entwickelte sich zu einem international verzweigten Netzwerk, das, alleine deshalb, weil sich viele Künstler nicht einmal persönlich kannten, als sehr heterogene Gemeinschaft zu verstehen ist. Wolf Vostell formulierte: „Fluxus …, die erste Gruppe ohne Namensliste“.

Ein Ziel der Fluxus-Künstler war die Grenzen zwischen darstellender und bildender Kunst aufzulösen. Zentrale Ausdrucksmittel waren daher Aktionen, Happenings oder Festivals, wovon innerhalb der Edition „Weekend“ etwa Vostells Drucke zeugen. Viele der Künstler verfolgten zudem politische oder philosophische Ambitionen, die in der Ausstellung Brehmers TV-Testbilder und Beuys‘ Readymades vorführen. Humor, Doppeldeutigkeiten und Ironie, etwa bei Hödickes Serie „Original + Fälschung“, waren beliebte Stilmittel.

Chronologisch folgt Fluxus auf die Kernzeit des Informel, das die Ständige Sammlung der Kunsthalle Schweinfurt im vorigen Flügel präsentiert, wendet sich aber gegen die klassische und als überkommen empfundene abstrakte Malerei. Das Element der politischen Opposition und spitzen Aussagen sowie die internationalen Netzwerke ähneln der Geisteshaltung der schon einige Jahre früher tätigen und im weiteren Rundgang gezeigten Gruppen wie SPUR.

Die Edition „Weekend“ ergänzt die in der Kunsthalle ausgestellte Kunst in Deutschland nach 1945 also treffend um eine weitere meinungsstarke Facette der Nachkriegsgeschichte. Das gedankliche Erbe von Fluxus reicht dabei bis zu den Zeitgenossen: Die politische, gesellschaftskritische Aktion „Jeder gegen Jeden“ von Ottmar Hörl, die teils noch im Untergeschoss zu sehen ist, lässt sich dem etwa zurechnen.