Zwei Verrückte auf einer Wahnsinnsreise

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Glück oder besser viel Schwein haben Martin Winter (links) und Hajo Lehr auf ihrer einmaligen Reise nach Afrika 1986 einige Male gehabt. Im jetzt veröffentlichten Tagebuch über die damalige Wahnsinnstour steht’s drin. Foto Hannes Helferich

Hajo Lehr und Martin Winter sind Wasserballer. An einem Sommertag im Jahr 1985 fahren sie zu einem Punktespiel ihrer Schweinfurter Mannschaft vom Schwimmclub 1913 nach Schwabach. Martin beschäftigt sich während der Fahrt nach Mittelfranken mit dem Buch „Därr“, der Bibel der Saharafahrer. Gemeinsam mit Hartwig Traber plant er nämlich schon geraume Zeit, mit dem Auto von Schweinfurt nach Zentralafrika zu fahren. Die Vorbereitungen zu der verrückten Unternehmung seien schon weit gediehen, erzählt er im Auto.

Vier Wochen später meldet sich ein schwer enttäuschter Martin beim Wasserball-Kollegen Hajo und teilt dem mit, dass Hartwig Traber wegen eines beruflichen Angebots, das er nicht ausschlagen könne, abgesagt hat. Sein Traum von Sahara-Fahrt sei damit wohl ausgeträumt. Er macht die Rechnung aber ohne Hajo. Der Wasserball-Kollege entschließt sich nämlich spontan, an Hartwigs Stelle in die Wüste zu fahren.

Am 14. März 1986, nach dem Erledigen „schier unglaublicher Formalitäten“, brechen die beiden Schweinfurter auf. Sie fahren mit einem acht Jahre alten Peugeot 504, den sie bei der Firma Bathon in Schwebheim entdeckt hatten. 800 Deutsche Mark hat der Franzose gekostet, dem sie den Namen „Königin der Wüste“ geben.

Wie vereinbart, führen Hajo und Martin, damals 32 und 26 Jahre alt, Tagebuch. 35 Jahre später ist nun ein Buch über die Trans-Sahara-Tour von 1986 erschienen. Im ab sofort erhältlichen „Tagebuch einer Wahnsinnsreise“ sind die wirklich irren Erlebnisse der Beiden auf ihrer 6500 Kilometer langen Tour von Schweinfurt in Unterfranken nach Lome in Togo, davon 2500 Kilometer durch die Wüste, beschrieben. „Ohne Navi, ohne Handy, ohne Allrad, aber mit viel Mut“, schreiben die beiden Autoren.

Martin Winter (links) und Hajo Lehr mit ihrem Peugeot vor 35 Jahren. Foto Privat

Geholfen haben vor dem Start viele, die man in Schweinfurt kennt. Toni Rupp etwa, der Tausendsassa, der heute noch eine Autorwerkstatt in Dittelbrunn betreibt. Er lehrte die beiden Wüstenfahrer „kleine Reparaturen für unterwegs“. Oder Walter Faustmann. Der Arzt berät das Duo in „medizinischen Fragen“. Die Luitpold-Apotheke stattet die verrückten Zwei mit den nötigsten Verbands- und Rettungsutensilien aus.

Sie wünschen den erhofften Lesern viel Spaß beim Studium ihrer fast 200 Seiten umfassenden Niederschrift. Für deren „teilweise unkonventionellen Stil“ entschuldigen sie sich vorsichtshalber gleich im Vorwort. Das hätten sie aber gar nicht tun müssen, weil das, was Hajo, der Polizist, und Martin, der Unternehmer, auf ihrer Abenteuerfahrt erlebt haben, die Empfindungen, die Stimmungen, die Emotionen, das ist authentisch und kommt gut rüber, weil die damals gemachten Notizen die Grundlage auch des Buches sind. „Dieses Tagebuch stellt einen Spiegel der damaligen Ereignisse dar“, sagen Hajo und Martin.

Am 18. März 1986 ist Afrika erreicht – um an frische Brötchen zu kommen, bedarf es einiger Überredungskünste, bis der tunesische Bäcker den Tausch mit einer Dose Bier akzeptiert. 20. März 1986. Wegen eines Erdrutsches ist die Straße bei Chebika, einer tunesischen Bergoase nahe der Grenze zu Algerien nicht passierbar. Der Umweg durch wildes Bergland macht 100 Kilometer aus. Samstag, 22. März 1986. Der Tag der Pannen. Die Handbremse, die Benzinzufuhr, der Luftfilter. Aber Ghardaia, die Märchenstadt in der algerischen Sahara, wird irgendwie erreicht.
Am 8. April 1986 kommen sie nach Gaya, die Grenzstadt zum Niger. Die beiden Abenteuer wundern sich über das große Kaufinteresse „gleich mehrerer Leute“. Den Peugeot verkaufen? Geht nicht. Sie haben ja ein Ziel. Verkaufen kommt jetzt noch nicht in Frage. 10. April 1986. Wie kann es anders sein, wenn Schweinfurter unterwegs sind? Sie treffen Landsleute, in diesem Fall einen Rhöner, der das Duo an der Autonummer als Schnüdel erkannt hat. Natürlich verkaufen die beiden den Peugeot am Ende der Reise doch, am 20. April geht es mit dem Flieger zurück ins eiskalte Deutschland.

Was ist geblieben? Ehrfurcht, Respekt vor der Natur, Erfahrungen wie Geduld, Nachsicht, Toleranz, auch Mut. Und natürlich schöne Erinnerungen, festgehalten im Tagebuch einer Wahnsinnsreise. Die handgeschriebene Originalausgabe wurde von Angelika Herzog, einer guten Bekannten von Hajo, computergerecht umgesetzt.

Martin Winter (links) und Hajo Lehr präsentieren eine Miniausgabe ihres Peugeot 504. Und natürlich das Tagebuch einer Wahnsinnsreise von Schweinfurt nach Afrika. Foto Hannes Helferich

Das Buch gibt es per online-Bestellung im BoD-Shop (kostenfreie Lieferung), in allen online-Buchhandlungen (amazon, ebay, u.a.) und auf Bestellung in allen Buchhandlungen. Der Preis für die Print-Ausgabe beträgt 15 €, das e-book kostet 5,99 €. Das Buch gibt es auch direkt bei Hajo Lehr, Email hajo.lehr@online.de.

Weitere Infos unter: https://www.bing.com/search?FORM=FCDE10&PC=MC08&q=buchshop%2Ftagebuch-einer-wahnsinnsreise-hajo-lehr-9783753426853