Hajo Lehr – 18 Grinsgschichtli

173
Hajo Lehr. F: privat

Wenn auch der Wachtmeister zu viel intus hat

Der Schweinfurter Hobby-Autor Hajo Lehr hat erneut zur Feder gegriffen und mit den „Grinsgschichtli“ sein bereits viertes Buch veröffentlicht. Viele der „18 Geschichten zum Schmunzeln“ sind – wie es so schön heißt – aus dem Leben gegriffen, fanden im Alltag, im Familienkreis und in den 42 Jahren Polizeiarbeit des Autors statt. Fragt man Lehr nach dem Wahrheitsgehalt seiner „Gschichtli“, dann grinst er verschmitzt und sagt den typisch fränkischen Satz: „Mer secht, dass in jedem Gerücht ä Körnlä Wahrheit sei soll, oder a nedd?!“.

So wie das bei der Story „Sechzehn“, die Farben des Mondes, wohl der Fall ist. Zwei Schweinfurter, der Gustl und der Lubber, sind auf dem Nachhauseweg von ihrer Stammkneipe durch die Keßlergasse. Am Marktplatz angekommen streiten sie sich über die Farbe des Vollmondes, der über dem Rathausgiebel sichtbar wird. Gustl meint, dass er „oorasch“ ist, Lubber behauptet gelb. Wegen des immer lautstärker ausgetragenen Streits wird ein Stadtpolizist auf die Beiden aufmerksam. Die Hoffnung der Zechkumpane aber, dass der „Herr Wachtmeister“ die Frage klärt, erfüllt sich deshalb nicht, weil auch die „Amtsperson“ ein bisschen über den Durst getrunken hat. „Wwwelcher, der Lilinke oder Rechte?“, fragt er zu den verdutzten Zechkumpanen zurück.

Die beiden Monde zieren übrigens auch das Titelbild des Büchleins, das Rose Black alias Delila Berger illustriert hat, die schon das Erstlingswerk „Guten Tag, sind Sie die Witwe Meier?“ und Hajo Lehrs Kindheits- und Jugenderinnerungen „Läushammel warn mer, gschrubbde!“ illustriert hat.

In seinem ersten Buch hat der seit 2014 pensionierte Polizeibeamte aus Schweinfurt das Überbringen von Todesnachrichten und andere, extrem belastende Begebenheiten im Polizeidienst geschildert. Der „Normalbürger“ kommt vermutlich nie im Leben mit diesen Extremsituationen in Berührung. Lehr hat das Buch verfasst in der Hoffnung, dass die Mitmenschen mehr Verständnis für die Arbeit von Polizei, Rettungsdienst, Feuerwehrleuten und Notfallseelsorgern entwickeln. Das ist ihm sehr gut gelungen.

Der große Erfolg des Erstlings hat ihn zum Weiterschreiben animiert, allerdings in starkem Kontrast durchweg humorvoll. Im Läushammel-Buch plaudert der bekennende „Schnüdel“ über Erlebnisse seiner Kindheits- und Jugendtage zwischen 1953 und 1970 – eine nicht immer einfache, aber facettenreiche Zeit. Danach erschien das „Tagebuch einer Wahnsinnsreise“- die wirklich irren Erlebnisse von Hajo Lehr und seinem Freund Martin Winter auf ihrer 6500 Kilometer langen Tour von Schweinfurt nach Lome in Westafrika, davon 2500 Kilometer durch die Wüste Sahara, im Jahr 1986. Unterwegs waren sie mit einem alten Peugeot 504, ohne Allrad, ohne Navi, ohne Handy, aber mit viel Idealismus, Mut und Abenteuerlust.

Die 84 Seiten umfassenden „Grinsgschichtli“ sind ab sofort im Schweinfurter Buchhandel bei Collibri, Hugendubel und Thalia, bei Papier Schmitt am Roßmarkt Schweinfurt, im Lesezeichen in Werneck und bei Hajo Lehr (Kontakt: hajo.lehr@online.de) für 13.50 € erhältlich.