Der Herbst in der Kulturvilla Museum Otto Schäfer

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August Sander, Hohe Straße Köln, Fotografie, ca. 1920 Stellvertretend für das Vortragsthema „August Sander“ am 27. Oktober, 18 Uhr, im Rahmen der „WissensZeit“. Foto: Jan Soldin

Ausblick auf das Programm Herbst/Winter 2024-25
Kultur lebendig erlebbar machen – das schreibt sich die „Kulturvilla“ Museum Otto Schäfer auf die Fahnen, stets ohne die Bezüge zu seiner reichen Sammlung aus Graphik, Buchkunst und Literatur zu verlieren. Doch thematische Anknüpfungspunkte gibt es genug, wie der erste Blick auf das neue Programm beweist. Kult ist inzwischen die „Schweinfurter Quiznacht“, die das Museum in Kooperation mit dem Schweinfurter Theater seit März 2023 stets ausverkauft. Dazu kam 2024 eine neue Reihe, die ebenfalls fortgesetzt wird: Die „WissensZeit“, eine Vortragsreihe, die jeden letzten Sonntag im Monat, um 18 Uhr zu Themen rund um Geschichte, Literatur, Gesellschaft und Kunst mit hochkarätigen Vortragenden informiert und „pünktlich zum Tatort endet“, wie Museumsleiter Jan Soldin witzelt. Er weiter: „Stolz sind wir auf die Bandbreite, die unser Haus als Museum für Druckkunst zu bieten hat. Von Dürer-Unikaten bis zur Erstausgabe von Einsteins Relativitätstheorie können wir sicher noch viele Jahre Programm machen, ohne, dass es langweilig wird.“

Herbst-Auftakt mit Jazz-Konzert: Jan-Peter Itze am 15. September
Der Schweinfurter Jazz-Pianist und Kulturpreisträger konzertiert mit Eigenkompositionen im besonderen Ambiente der ehemaligen Industriellenvilla am Flügel. Die Kombination von Klavier und Beatboxing prägen seinen persönlichen Stil. Unter dem Titel „Jazz&Art“ bietet das Museum allerdings zum Saisonauftakt am 15. September, um 19.30 Uhr noch mehr und empfängt seine Gäste mit einem Glas Sekt oder einer alkoholfreien Alternative. Im Ticketpreis von 14 € inbegriffen ist optional auch ein kurzer Hausrundgang „Hinter die Kulissen“ oder durch die noch laufende Italien-Ausstellung „Von Dürer bis Goethe“ vorab um 18.30 Uhr.

Quizmaster Jan Soldin (Museumsleiter) und Christof Wahlefeld (Intendant des Theaters Schweinfurt) für die monatliche Schweinfurter Quiznight. Foto: Michael Bucher

Kult-Quiz kehrt zurück
Ab Oktober ist es wieder soweit und die beliebte Schweinfurter Quiznacht startet wieder; jeden ersten Dienstag im Monat ein Dauerbrenner im Museum Otto Schäfer. Es geht dabei nicht um spezielles Kunst-Wissen, sondern vielmehr um Themen des Alltags, der Geschichte, Pop-Kultur, Wissenschaft und vieles mehr. Von „Star Treck“ bis „Literaturgeschichte“ sind die Quizmaster Christof Wahlefeld, Intendant des Theaters, und Jan Soldin, Museumsleiter, stets für Überraschungen gut. Es empfiehlt sich bei den Karten schnell zuzugreifen: Oft ist die Quiznacht Monate im Voraus ausverkauft. Die nächsten Termine sind der 1. Oktober, 5. November, 3. Dezember, 7. Januar, 4. Februar und 4. März, jeweils um 19.30 Uhr. Üblich sind Team-Anmeldungen von vier bis sieben Personen, aber auch Einzel-Quizzer finden stets neue Kontakte (Ticket p.P. 7,50 €).

WissensZeit – die Vortragsreihe von Fotokunst bis Höllengeschichten
„Eine Stunde, die Wissen schafft“, ist das Motto der hochkompetent besetzten Vortragsreihe, die nach der Sommerpause wieder jeden letzten Sonntag im Monat stattfindet. Den Start macht Dr. Ulf Dingerdissen aus dem geschwisterlich verwandten Museum Georg Schäfer am 29. September, um 18 Uhr, passend zur dann noch aktuellen Italien-Ausstellung mit dem Titel „Verliebt in Italien – Verliebt in Bücher. Die deutschen Künstlerbibliotheken Roms“. Dingerdissen verspricht einen einzigartigen Einblick in ein unbekannteres Themenfeld und kündigt an: „Dass im langen 19. Jahrhundert deutschsprachige Kunstschaffende in Scharen nach Italien und insbesondere nach Rom zogen, um vor Ort die Kunst namentlich der Antike und frühen Neuzeit zu studieren, ist allgemein bekannt; dass sie dort aber auch intensiv Literatur konsumierten, weniger! Tatsächlich riefen sie aber in Rom zwischen 1795 und 1915 vier nach ihren Bedürfnissen ausgerichteten Bibliotheken ins Leben.“

Darauffolgend geht Prof. Dr. Annette Deeken, die u.a. an der Universität Trier lehrt, am 27. Oktober, um 18 Uhr, auf das Leben, Wirken und die lokalen Bezüge des großen Fotografen August Sander ein. Dieser gilt als einer der wichtigsten deutschen Fotografen des 20. Jahrhunderts. Nach der Entlassung aus seinem Militärdienst kehrte Sander nach Köln zurück und porträtierte die Stadt: Ein einmaliges Zeugnis vor der Bombardierung. Das Stadtmuseum Köln kaufte daher 1953 exklusiv alle Negative an; und trotzdem erreichte eine Mappe Originalaufnahmen das Museum Otto Schäfer durch Köln-Beziehungen der Familie. Prof. Dr. Annette Deeken forscht derzeit zu Sander, stellt dessen Leben und Werk vor und kann einige Bilddokumente und -verweise aufzeigen, die bisher nie zu sehen waren.

Im November, der mit schrecklichen Pogromen in die deutsche Geschichte eingegangen ist, hat das Museum mit Dr. Markus Roth einen Experten zum Thema „Antisemitismus“ zu gast. Er referiert am 24. November, um 18 Uhr, zu „Aktuellen Erscheinungsformen und historischen Wurzeln“ des Antisemitismus. Roth arbeitet aktuell am Fritz Bauer Institut für Geschichte und Wirkung des Holocaust in Frankfurt a.M. und publizierte unter anderem jüngst das Buch „Die 101 wichtigsten Fragen. Antisemitismus“ beim renommierten Verlag C.H. Beck. Der Vortrag schlägt eine Brücke zum Erinnerungsprojekt „Denkzeichen“ der Schweinfurter „Initiative gegen das Vergessen“, deren Sprecherin Johanna Bonengel die anschließende Fragerunde moderiert.

Am 29. Dezember, um 18 Uhr, entführt der Museumsleiter selbst in fernere Welten. Der Vortrag „Dürer in Korea – Deutsche Druckmeister treffen Asien“ wird nachgeholt, der im ersten Halbjahr einem Wasserschaden im Untergeschoss des Museums zum Opfer gefallen ist. Für Januar steht eine Zusage noch aus, weshalb das Thema noch spannend bleibt. Jedoch dürfte der 23. Februar, um 18 Uhr, wieder großes Interesse auf sich ziehen, wenn der beliebte, äußerst sprachgewandte Redner Hans Driesel wieder zu Gast ist und mit „Der Mann der aus der Hölle kam“ zu Dantes Göttlicher Komödie liest. Mit dabei hat er Dr. Katrin Hesse, die die Lesung zusätzlich mit ihrem profunden Wissen bereichert. Der Ticketpreis für die „WissensZeit“ beträgt für jede Veranstaltung 8,50 €.

Neu im Programm: Spotlight! Besondere Einblicke
Eine unregelmäßige, aber nicht weniger spannende Reihe geht auf die Initiative des Museumsmitarbeiters und Kunsthistorikers Michael Bucher zurück. „Ich möchte den Menschen die Chance bieten, Dinge zu sehen, die sonst abgeschlossen im Verborgenen liegen und diese auch inhaltlich ganz nah zu betrachten“, sagt er selbst. So führt er am 3. November, um 14.30 Uhr, „Hinter die Kulissen“ des Museums. Im Fokus seines Rundgangs steht die Geschichte der ehemaligen Industrievilla Schäfer: Ein Haus voller verborgener Räume und Schätze.

Wer diesen besonders nah kommen möchte, hat die Wahl zwischen zwei Schwerpunkten. Am 6. Januar, um 14.30 Uhr, bietet Bucher „Bücherschätze hautnah“. Unter dem Motto „Blättern, wo es sonst verboten ist“ geht es um den frühen Buchdruck um die Gutenberg-Zeit in unbezahlbaren Einzelwerken. Am 9. Februar, um 14.30 Uhr, folgt dann noch die Annäherung an „Dürers Meisterstiche“, die 2025 aus konservatorischen Gründen nicht ausgestellt werden können. Das Museum verspricht eine einmalige Chance, den Originalen so nahe wie möglich zu kommen (Tickets jeweils 8,50 €).

Zeichnen für Erwachsene
Mit Charme, Charisma, Fachwissen und Fingerspitzengefühl begeistert die Schweinfurter Künstlerin Ronni Zettner immer wieder ihr Publikum im Museum. Die Philosophie des Hauses teilt sie gerne: Egal ob jung oder alt, zeichnen ist mehr als „nur“ Kunst. Es übt Motorik, schult Sehen, macht verliebt in Details, lässt entdecken und festhalten. Ihre Aktzeichen-Kurse im Frühjahr waren da schnell voll. Im Herbst spezialisiert sich Zettner in einem dreiteiligen Kurs am 23. Oktober, 13. November und 4. Dezember, je von 18.30 bis 20.30 Uhr, auf „Gesicht, Hand und Fuß – Anatomie und Proportionslehre“. Willkommen sind Anfänger genauso wie fortgeschrittene Kreative (Ticket: 40 € für alle drei Termine). Für weniger akademisch ausgerichtete Kunstfreunde bietet Ronni Zettner noch „Art&Relax: Formzeichnen“ am 16. Januar von 18.30 bis 20.30 Uhr. Die Künstlerin verspricht: „Abwechslung vom arbeitsreichen Alltag: Zeichnen und entspannen für oft gestresste Professionals“ (Ticket: 15 €).

Kinder- und Jugendkurse
Natürlich verliert das Museum auch den Nachwuchs nicht aus dem Blick. Pünktlich vor Halloween findet am 28. und 29. Oktober von 14 bis 16 Uhr das Ferienprogramm „Masken“ statt. Inspiriert von Werken der kommenden Ausstellung „Hell>>Heaven“ rund um Dantes berühmter Höllen- bis Himmelsgeschichte entstehen unter Anleitung Ronni Zettners tolle Gruselmasken mit verschiedenen Techniken, die pünktlich zum 31. Oktober getragen werden können! Dabei ist viel lernen: Von der Geschichte Dantes, über künstlerische Techniken bis hin zur Schulung der Feinmotorik und Fantasie durch kreative Handarbeit (Ticket für beide Tage 12 €).

Junge Menschen zu unterstützen ist der Zeichnerin Ronni Zettner ebenso wichtig. Mit „Young Talents“ bietet sie am 24. Oktober und 14. November deshalb thematisch abgestimmten Zeichenunterricht von 15.30 bis 17 Uhr. Die Künstlerwerkstatt im Museum zielt darauf ab, Kinder und Jugendliche zu fördern, die ihre zeichnerischen Fähigkeiten verbessern möchten (Ticket je 8,50 €). Den Abschluss des Kinder- und Jugendprogramms dieses Jahr macht dann die „Wichtelwerkstatt“ am 7. Dezember von 12 bis 18 Uhr. Der Aktionstag, der für Kinder nur 5 € Materialgebühr kostet und für die Erwachsenen frei ist, kann zum Weihnachtsgeschenke basteln hergenommen werden, bietet die Möglichkeit selbstgedrucktes Geschenkpapier herzustellen, Weihnachtskarten zu gestalten, oder festlichen Schmuck zu kreieren.

Das vollständige Programm ist unter www.museumottoschaefer.de unter „Veranstaltungen“ zu finden. Dort können auch die Tickets über den Online-Shop des Museums erworben werden. Weiter sind Eintrittskarten auch stets an der Museumskasse zu den Öffnungszeiten des Hauses von Dienstag bis Sonntag von 13 bis 17 Uhr zu haben. Wer weder einen Online-Zugang hat, noch den Weg zur Judithstraße 16 auf sich nehmen möchte, kann Tickets auch postalisch unter info@museumottoschaefer.de oder 09721 3870970 bestellen (Service- und Versandpauschale 2 € je Bestellung).